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Hart umkämpftes Top-Spiel: FCB Frauen unterliegen dem VfL Wolfsburg

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Foto: Getty Images

Am Sonntagnachmittag unterlagen die FC Bayern Frauen dem VfL Wolfsburg knapp mit 2:1 (1:0). Im „Duell der Ungeschlagenen“ musste die Mannschaft von Trainer Alexander Straus ihre erste Pflichtspiel-Niederlage hinnehmen  und hat nun fünf Punkte Rückstand auf den amtierenden Meister aus Wolfsburg.



Vor 21.278 Zuschauern in der VOLKSWAGEN ARENA veränderte Bayern-Coach Alexander Straus seine Mannschaft auf zwei Positionen. Im Vergleich zum UWCL-Spiel gegen den FC Rosengard begann Tainara für ihre Mannschaftskollegin Saki Kumagai und für die verletzte Sydney Lohmann stand Lina Magull wieder in der Startelf.

Mit einem unglücklichen Rückstand in die Pause

Es war ein Top-Spiel auf dem allerhöchsten Niveau und beide Mannschaften legten vermehrt den Fokus auf eine gute defensive Grundstabilität. Der VfL Wolfsburg hatte insbesondere in der ersten Halbzeit mehr Ballbesitz (über 60%) und übernahm die Spielkontrolle. Doch die erste Torchance am heutigen Nachmittag gehörte den Münchnerinnen. In der 4. Spielminute tankte sich Linda Dallmann über die linke Außenbahn durch und scheiterte mit ihrem Abschluss aus halblinker Position an VfL-Torhüterin Merle Frohms.

Nach der Chance von Dallmann war von dem FC Bayern in der Offensive nicht mehr viel zu sehen und die Wölfinnen suchten nach ihrer ersten Abschlussmöglichkeit. Nach einer knappen halben Stunde kam der VfL durch Stürmerin Ewa Pajor zu ihrer ersten richtig guten Gelegenheit. Ausgangspunkt war ein Fehler im Münchner Aufbauspiel, in dem die Innenverteidigerin Glodis Viggosdottir einen Fehlpass genau in die Füße von Lena Lattwein spielte. Lattwein spielte einen kurzen Doppelpass mit Svenja Huth und legte anschließend im Strafraum auf Pajor ab. Die Polin suchte den schnellen Abschluss, aber scheiterte an der starken Mala Grohs.

In den letzten zehn Minuten vor der Pause verlor die Partie insbesondere durch viele Verletzungsunterbrechungen an Spielfluss und beide Teams suchten nach der nötigen Spielkontrolle. Es waren die Wolfsburgerinnen, die diese schneller wieder fanden und belohnten sich mit dem zwischenzeitlichen 1:0-Führungstreffer für einen bis dato guten Auftritt. Wieder war es Lattwein, die den Ball im Sechzehner auf Ewa Pajor ablegte. Die Polin zog nach innen und suchte die Lücke für den Abschluss. Bayerns Vize-Kapitänin Sarah Zadrazil eilte ihren Mannschaftskolleginnen zur Hilfe und versuchte den Ball zu klären. Dabei schoss die Österreicherin allerdings Pajor an und der Ball flog in einer krummen Flugbahn über Schlussfrau Mala Grohs ins Tor. Auch die deutsche Nationaltorhüterin konnte diesen Einschlag nicht mehr verhindern. Mit dem 0:1-Rückstand aus Bayern-Sicht ging es dann für beide Mannschaften in die Kabinen.

Aufholjagd wird nicht belohnt

Mit dem Seitenwechsel im zweiten Durchgang gab es auf beiden Seiten keine personellen Wechsel und die Bayern wollten von Beginn an eine Reaktion auf den unglücklichen Rückstand zeigen. So wirkte die Mannschaft von Trainer Straus insbesondere in den Anfangsminuten der zweiten Halbzeit deutlich engagierter und hatte wieder die erste gute Möglichkeit. Diesmal war es Lea Schüller, die in der 48. Spielminute nach einer Flanke von Maximiliane Rall knapp über das Tor schoss. Nur wenige Minuten später vergab auch Lina Magull, nach Zuspiel von Caro Simon, die nächste aussichtsreiche Chance und schoss knapp am VfL-Tor vorbei.

Und es kam, wie es kommen musste: Im Gegenzug erzielte VfL-Offensivspielerin Svenja Huth das 2:0 für die Wolfsburgerinnen. In der 58. Spielminute flankte Alexandra Popp einen missglückten Eckball wieder in den Sechzehner. Am zweiten Pfosten legte Jill Roord über Umwege auf Huth ab, die den Ball per Volley-Schuss ins lange Toreck schoss. Ein Traumtor und erneut war Grohs ohne eine Abwehrchance.

Die Mannschaft von Trainer Alexander Straus war weiterhin nach einer Antwort bemüht, doch fand kaum die Lücken in der VfL-Abwehrkette. Doch in der 73. Spielminute war die Wolfsburger Hintermannschaft unsortiert und dies nutzen die Bayern eiskalt aus. Georgia Stanway spielte den Ball auf den rechten Flügel zu Linda Dallmann, die auf der linken Seite die besser postierte Klara Bühl sah. Dallmann spielte rüber auf ihre Teamkollegin Bühl, die mit ihrem Abschluss den 1:2-Anschlusstreffer markierte.

Ging da etwa noch was? Mit dem Anschlusstreffer im Rücken wirkte das Spiel der Münchnerinnen wie entfesselt und so drängten die Bayern auf den 2:2-Ausgleichstreffer. Nur wenige Minuten später verpasste erneut Lea Schüller, nach einer Ecke von Simon, knapp das VfL-Tor. Und auch die eingewechselte Jovana Damnjanovic scheiterte in der 83. Spielminute, nach einer Flanke von Rall, mit einem guten Kopfball am Pfosten. Nur wenige Minuten später ertönte der Schlusspfiff.

„Wir haben alles reingelegt und eine gute Mentalität gezeigt“

Nach dem Schlusspfiff und der ersten Pflichtspiel-Niederlage war die Enttäuschung auf Seiten der Münchnerinnen natürlich groß. Bayern-Coach Alexander Straus haderte mit der mangelnden Effizienz vor dem gegnerischen Tor, aber war dennoch stolz auf seine Mannschaft: „Von dem Ergebnis sind wir natürlich enttäuscht. Es gibt wenige Teams, die hierherkommen und etwas Zählbares mitnehmen können. Aber meine Mädels haben heute eine tolle Mentalität gezeigt und es Wolfsburg schwer gemacht. Wenn wir unsere Chancen besser verwerten würden, hätten wir heute mindestens einen Punkt mitnehmen müssen. Da müssen wir mehr Effizienz an den Tag legen. Deswegen bin ich heute ein wenig enttäuscht. Aber insgesamt sind wir auf dem richtigen Weg.“

Auch die Torschützin Klara Bühl hadert mit den vergebenen Chancen nach dem Anschlusstreffer, aber sieht dennoch positive Aspekte, auf denen man zukünftig aufbauen kann: „Natürlich nervt es, dass wir verloren haben. Aber mit den letzten Minuten können wir absolut zufrieden sein. Wir haben alles reingelegt und eine gute Mentalität gezeigt. Wenn wir das Quäntchen Glück auf unserer Seite gehabt hätten, wäre heute sicher mehr drin gewesen. Nach dem Anschlusstreffer hatten wir noch ein, zwei Chancen zum Ausgleich. Die Leistung aus der zweiten Halbzeit müssen wir in die nächsten Spiele mitnehmen und unseren Weg weitergehen, dann wird alles gut werden.“

Nach der bitteren Niederlage im Top-Spiel heißt es: Mund abputzen und weitermachen. Bereits am kommenden Donnerstag sind die Münchnerinnen wieder in der Champions League gefordert. Diesmal geht es für die Mannschaft von Trainer Alexander Straus nach Lissabon, wo sie im Rahmen des zweiten UWCL-Gruppenspiels auf Benfica Lissabon treffen. Anstoß zum Gruppenspiel bei Benfica Lissabon ist um 21 Uhr.

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Die FCB Frauen sollten 1x die Woche mit den Männern trainieren. Da könnten sie sich vieles abschauen.

Bingo – Superidee von Ihnen ich glaube auch da könnten sich die FC Bayern Mädels vieles bzw. so manches von den FCB-Profis abschauen.! ! ! ! ! ! !

Ja wirklich warum denn nicht. Ich mein es geht ja nicht drum die Autorität der Trainerin zu untergraben oder zu demonstrieren „wir Männer sind besser“ oder so ein Quatsch. Einfach mal eine Zeit mit den Männern trainieren, vieles abschauen, Gespräche führen, lernen, vorankommen, mal eine andere Belastungsintensität erfahren, taktische Finessen kennen, Trainingsmethoden etc etc warum denn nicht?

Ob nun 1x die Woche oder alle 2 Wochen sei mal dahingestellt. Wenn beide Parteien ohne Vorurteile an die Sache rangehen kann das eine Erfolgsgeschichte werden. Evtl. können ja auch die Männer von den Frauen was lernen.

Die Mädels können sich jede Menge von den Männern abschauen!
Nach dem Training in der Dusche zumindest! 😂😂😂

Also ich finde die Idee recht gut 😄 auch wenn das so schnell wohl eher nicht passieren wird. Aber nehmen wir zb Lea schüller. Die würde in einem guten männerteam auch ihre Punkte setzen. Sie hat diesen Instinkt einfach

Da der Frauenfussball in den letzen 5-7 Jahren enorme Fortschritte gemacht hat, schaue ich mir ab und an auch Spiele an, ohne dabei wie früher, in Mitleid auszubrechen, wenn ein 5Meter Pass auf dem Weg zur Mitspielerin verhungert oder gefühlte 8 Pässe in Folge bei der Gegnermannnschaft landen. Die Frauen sind kämpferisch herrvorragend drauf und taktisch toll geschult, was gerade an der Euro bei der Deutschen Mannschaft wunderbar sichtbar wurde. Da kann sich so manche Männermannschaft was abgucken. Auch Neymars gibt es so gut wie keine. Wenn die Frauen liegen bleiben, dann ist wirklich was los. Bei den Bayern-Frauen warte ich jetzt aber schon längere Zeit darauf, dass sie international spricht in der Championsleague etwas reissen, dort um den Titel mitspielen. Ebenso Wolfsburg auf Dauer gefährden. Trotz toller Einkäufe, reicht es immer und immer wieder knapp nicht. In Sachen Mentalität könnten sich die FCB Frauen schon etwas von ihren männlichen Kollegen abschauen. Oder sind in Paris, Barcelona, Wolfsburg, Chelsea oder Lyon bessere Möglichkeiten vorhanden oder die Coaches auf höherem Niveau?

Wolfsburg hat einfach solide Strukturen. Das muss man an dieser Stelle auch einfach mal anerkennen. Für Bayern bleibt es hart. Einerseits so gute Spielerinnen (zt Weltklasse), andererseits fehlt es in der Breite, um der Belastung in allen Wettbewerben auf höchstem niveau standzuhalten. Bei Bayern würde jule brand alle Spiele von Anfang an bestreiten, bei wob kommt sie erstmal noch von der Bank. Bayern kann es sich einfach noch nicht leisten stars punktuell zu schonen.

Jonas Gerhartz
Jonas ist seit klein auf leidenschaftlicher Bayern-Fan. Wo der FC Bayern ist, ist Jonas nicht weit. Er verfolgt intensiv die aktuellen Entwicklungen rund um den FCB und hat durch sein laufendes "Sportjournalismus & Sportmarketing" Studium eine Leidenschaft fürs Texten über seinen Herzensverein entwickelt.