Der FC Bayern schießt kurz vor dem Oktoberfest-Start Union Berlin aus dem Stadion. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zur Partie.
Das 7:0 gegen Union Berlin war die bislang deutlichste Machtdemonstration des FC Bayern in dieser Bundesliga-Saison – das Spiel lieferte folgende Erkenntnisse:
1. Das ist Bayerns wichtigstes Zukunftsprojekt
Was Michael Olise derzeit abliefert, hat endgültig Weltklasse-Niveau erreicht. Gegen Union erzielte der 24-Jährige den ersten Dreierpack seiner Klub-Karriere, bereitete Harry Kanes Treffer zum 4:0 vor und holte zudem den Elfmeter heraus, den der Engländer zum 2:0 verwandelte. An fünf der sieben Bayern-Tore war Olise damit unmittelbar beteiligt.
Seine Saisonbilanz ist schon fast absurd: In sieben Pflichtspielen kommt der Franzose auf acht Tore und drei Vorlagen. Im Schnitt ist Olise alle 51 Minuten direkt an einem Treffer beteiligt und wurde bereits viermal zum Man of the Match gewählt.
Nicht umsonst ist der Franzose auch ein Kandidat für den Ballon d’Or. Auf jeden Fall mit Blick auf die nächsten Jahre scheint Olise unaufhaltsam auf dem Weg zum besten Fußballer der Welt.
Für den FC Bayern ergibt sich daraus eine klare Aufgabe. Olise besitzt einen Vertrag bis 2029 ohne Ausstiegsklausel. Akuten Handlungsdruck gibt es deshalb nicht. Trotzdem gibt es kein wichtigeres Zukunftsprojekt als den Offensivstar noch langfristiger an den Verein zu binden.
Spieler dieser Kategorie wecken zwangsläufig Begehrlichkeiten bei den größten Klubs Europas. Die Bayern haben mit Harry Kane vielleicht den nächsten Gewinner des Ballon d’Or in ihren Reihen.
Und mit Michael Olise den Spieler, dem die Zukunft gehört – die Bosse sollten alles dafür tun, dass das möglichst lange so bleibt.
2. Bayerns zweite Reihe macht richtig Druck
Im Sommer wurde viel darüber diskutiert, ob der Kader des FC Bayern für eine lange Saison ausreichend besetzt ist. Momentan zeigt sich allerdings das bestmögliche Szenario für den bewusst kompakt gehaltenen Kader: Nahezu alle Spieler sind fit.
Gegen Union fehlte lediglich Konrad Laimer kurzfristig wegen leichter Adduktorenprobleme. Dadurch hatte Kompany auf der Bank zahlreiche Möglichkeiten – und seine Joker nutzten ihre Chance eindrucksvoll.
Ismael Saibari wurde in der 63. Minute eingewechselt und erzielte sieben Minuten später nach einem starken Dribbling sein erstes Pflichtspieltor für den FC Bayern. Tom Bischof kam zeitgleich und bereitete anschließend gleich zwei Treffer von Olise vor. Minjae Kim fügte sich nach der Pause problemlos ein und Serge Gnabry feierte nach seiner langen Verletzungspause sein Comeback.
Bemerkenswert war vor allem, dass die Wechsel keinen Bruch ins Bayern-Spiel brachten. Als Saibari und Bischof kamen, stand es bereits 4:0. Anschließend legten die Münchner noch drei weitere Treffer nach.
Das zeigt gleichzeitig, worauf es für Kompany ankommen wird. Der Bayern-Coach muss nicht permanent seine halbe Mannschaft austauschen, um Belastung zu verteilen. In einer funktionierenden Mannschaft kann er gezielt frische Kräfte bringen, ohne massiv an Qualität zu verlieren.
Ob der relativ kleine Kader auch durch die Belastungsspitzen einer langen Saison trägt, wird sich erst noch zeigen. Solange die Mannschaft aber weitgehend gesund bleibt, entwickelt sich hinter der ersten Elf ein Konkurrenzkampf, der Kompany viele Möglichkeiten bietet.
3. Bayerns magisches Dreieck nimmt Gestalt an
Olise war der überragende Mann gegen Union, doch zwei weitere Bayern-Stars spielten ebenfalls groß auf. Musiala, Olise und Kane erhielten in der FCBinside-Einzelkritik allesamt die Note 1 – und genau dieses Trio könnte die Offensive der Münchner in den kommenden Monaten prägen.
Kane erzielte seine Bundesliga-Tore 100 und 101. Für die ersten 100 Treffer benötigte der 33-Jährige lediglich 98 Spiele und stellte damit den nächsten Rekord auf. Dass der Engländer weit mehr als ein klassischer Strafraumstürmer ist, macht das Zusammenspiel mit den beiden technisch starken Offensivspielern neben und hinter ihm besonders gefährlich.
Noch wichtiger für die Statik der Bayern ist Musialas Rückkehr. Gegen Union erzielte der 23-Jährige das 1:0, bereitete Olises Treffer zum 3:0 vor und absolvierte erstmals seit seiner Pause wieder die kompletten 90 Minuten. Ein weiteres Tor wurde wegen einer vorherigen Abseitsstellung aberkannt.
„Ich fühle mich sehr gut. Jedes Spiel ist ein Schritt nach vorne. Ich weiß, dass es noch Schritte gibt, die ich machen kann, aber wieder 90 Minuten zu spielen, ist ein super Gefühl. Das habe ich lange nicht gemacht und ich freue mich auf das, was weiter kommt“, erklärte Musiala nach der Partie bei Sky.

Mit seiner Rückkehr bekommt Bayerns Offensive eine neue Dimension. Musiala und Olise können ihre Positionen immer wieder verlassen, ins Zentrum ziehen, selbst abschließen oder den letzten Pass spielen. Kane kann sich fallen lassen und Räume für beide öffnen. Gegen Union war erstmals über einen längeren Zeitraum zu sehen, welche Wucht das Zusammenspiel dieses Trios entwickeln kann.
In dieser nahezu perfekten Offensive gibt es derzeit eigentlich nur ein Sorgenkind. Luis Díaz blieb auch gegen Union blass und konnte mit seinen drei Nebenleuten nicht Schritt halten. Während Olise, Musiala und Kane glänzten, sucht der Kolumbianer weiterhin nach seiner Topform.
Für Díaz kommt die Pause deshalb möglicherweise genau zum richtigen Zeitpunkt. Anders als viele seiner Teamkollegen reist er nicht zur Nationalmannschaft und bekommt damit Zeit, neue Kräfte zu sammeln.
Sollte anschließend auch Díaz wieder sein bestes Niveau erreichen, könnte aus Bayerns magischem Dreieck schnell ein Quartett werden, das in ganz Europa gefürchtet würde.

