„Grenzgänger“: Experte ordnet Wirbel um Bayern-Star Olise ein

Foto: Getty Images

Füge uns als bevorzugte Quelle bei Google hinzuFolgen

Michael Olise polarisiert derzeit wie kaum ein anderer Spieler des FC Bayern. Während der Franzose sportlich auf höchstem Niveau abliefert, sorgt sein Auftreten abseits des Rasens regelmäßig für Diskussionen. Kurze Interviews, außergewöhnliche Outfits und seine demonstrative Zurückhaltung gegenüber der Öffentlichkeit haben ihm inzwischen ein spezielles Image eingebracht.

Sportmarketing-Experte Raphael Brinkert sieht darin allerdings kein grundsätzliches Problem. Der Gründer der Agentur BrinkertLück erklärte im Gespräch mit der tz, dass Olise gerade wegen seiner ungewöhnlichen Art aus der Masse heraussteche.


„Auf dem Platz absolute Weltklasse, abseits vom Platz außergewöhnlich“, fasst Brinkert seine Wahrnehmung des 24-Jährigen zusammen. Olise sei ein Kontrast zu vielen anderen Fußballprofis und werde gerade deshalb intensiv diskutiert.

Bayern kann Olise nicht vollständig vermarkten

Für den FC Bayern hat diese Haltung nach Einschätzung des Experten durchaus Auswirkungen. Während Harry Kane als klassischer Vorzeigeprofi vermarktet werden könne, funktioniere Olise vollkommen anders.

„Die Bundesliga hat aktuell zwei absolute Weltstars: Harry Kane als Vorzeigeprofi und Michael Olise als Bad Boy. Der FC Bayern kann die aufsteigende Weltmarke Olise nicht vollumfänglich nutzen, das ist ein Handicap in der Vermarktung, aber solange er spielt, wie er aktuell spielt, dürfte das allen Beteiligten egal sein.“

Auch bei der Sponsorenakquise erwartet Brinkert keine größeren Schwierigkeiten. Der FC Bayern vermarkte sich vor allem als Gemeinschaft und verfüge über genügend prominente Spieler, die bei Werbeaktivitäten eingesetzt werden könnten. Olise könne entsprechend eine kleinere Rolle einnehmen oder bei bestimmten Kampagnen komplett außen vor bleiben.

Gleichzeitig glaubt der Marketing-Fachmann, dass Olises Verhalten gerade bei jüngeren Fans sogar interessant sein kann. Der Franzose verzichte weitgehend auf klassische Selbstvermarktung, werde aber trotzdem permanent zum Gesprächsthema.

„Grenzgänger im öffentlichen Bereich“

FC Bayern Wiesn
Foto: IMAGO

Entscheidend ist für Brinkert ohnehin die klare Trennung zwischen Olises öffentlichem Auftreten und seinem Verhalten als Fußballprofi.

„Ganz wichtig: Er ist ein Grenzgänger im öffentlichen Bereich, nicht im sportlichen – weder in der Kabine, noch beim Training, noch beim Spiel. Auch hört man von seinen Mitspielern nichts Negatives.“

Genau deshalb hält Brinkert den aktuellen Umgang der Bayern mit ihrem Offensivstar für richtig. Der Klub lässt Olise weitgehend seine Freiheiten und versucht nicht, dessen Persönlichkeit öffentlich zu verändern.

Allerdings sieht der Experte darin auch ein Risiko für den Spieler selbst. „Mit seiner Attitüde setzt sich Olise jedoch selbst unter enormen Leistungsdruck.“ Solange seine Leistungen konstant auf Weltklasse-Niveau bleiben und das Mannschaftsgefüge nicht beeinträchtigt werde, könne der Verein darüber hinwegsehen.

Auch potenzielle Interessenten wie Real Madrid dürften sich nach Brinkerts Einschätzung kaum von Olises Image abschrecken lassen. Im internationalen Spitzenfußball stehe letztlich die sportliche Qualität im Vordergrund.

Brinkerts Fazit fällt entsprechend deutlich aus: „Michael Olise ist der Antiheld abseits des Platzes, aber der Held auf dem Platz.“ Solange diese Mischung funktioniert, sieht er für Bayern, Sponsoren und Fans kaum Anlass, aus Olises Eigenheiten ein größeres Problem zu machen.

Füge uns als bevorzugte Quelle bei Google hinzuFolgen
Teile diesen Artikel