Serge Gnabry dürfte sich sein Comeback bei der deutschen Nationalmannschaft anders vorgestellt haben. Beim 1:1 gegen die Niederlande wurde der Bayern-Profi in der Schlussphase eingewechselt – und stand wenige Minuten später beim entscheidenden Gegentreffer unfreiwillig im Mittelpunkt.
Jürgen Klopp brachte Gnabry in der 80. Minute für Karim Adeyemi. Der 31-Jährige sollte auf der rechten Seite noch einmal für Entlastung sorgen und dabei helfen, die knappe Führung über die Zeit zu bringen.
In der Nachspielzeit unterlief Gnabry allerdings ein folgenschwerer Ballverlust. Statt nach vorne aufzudrehen, orientierte sich der Münchner nach hinten und verlor den Ball an Ruben van Bommel. Klopp schlug an der Seitenlinie bereits die Hände vors Gesicht.
Klopp erklärt Gnabrys Fehler
Van Bommel nutzte den Ballgewinn sofort aus, nahm Tempo auf und brachte den Ball mit dem Außenrist an den zweiten Pfosten. Dort vollendete Cody Gakpo zum späten 1:1.
Nach dem Schlusspfiff verzichtete Klopp auf eine harte öffentliche Kritik an Gnabry. Der Bundestrainer erklärte bei RTL allerdings sehr deutlich, was er in dieser Situation von seinem Offensivspieler erwartet hätte. „Das ist ja nicht schlimm, das kann ja passieren. Aber Serge muss in dem Moment nach vorne weglaufen“, erklärte Klopp.
Auch Lothar Matthäus sah den Bayern-Profi beim Gegentreffer in der Verantwortung. „Das war ein toller Angriff, aber Gnabry darf den Ball nicht verlieren und er muss schneller nachgehen“, analysierte der Rekordnationalspieler.
„Das weiß Serge natürlich auch“

Klopp ging anschließend noch einmal detaillierter auf die Szene ein. Für ihn lag das Problem vor allem in Gnabrys erster Aktion nach der Ballannahme.
Gnabry komme nach dem Ballverlust zwar nicht mehr rechtzeitig hinterher, „aber er muss mit dem Ball beim Erstkontakt nach vorne weggehen, wenn man noch 20, 30 Sekunden zu spielen hat. Aber das weiß Serge natürlich auch.“
Besonders bitter: Deutschland hatte durch Felix Nmecha seit der 32. Minute geführt und stand unmittelbar vor einem erfolgreichen Einstand für Klopp. Der Bundestrainer nahm das späte Remis dennoch relativ gelassen. Er hätte „sehr, sehr gerne gewonnen“, könne „mit dem Punkt auch leben“.
Für Gnabry war der Kurzeinsatz der nächste Schritt nach einer langen Pause. Der Bayern-Star hatte die Weltmeisterschaft verletzungsbedingt verpasst und erst am 18. September gegen Union Berlin sein Comeback für die Münchner gefeiert. Dort sammelte er 13 Minuten Spielpraxis.
In Amsterdam folgten nun die nächsten Einsatzminuten – allerdings mit einem Ende, das sich Gnabry sicherlich anders vorgestellt hatte.

