Bayerns Haltung auf dem Transfermarkt: Bosse reagieren auf Preisanstieg

Sebastian Mittag
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Der FC Bayern sucht ein Mittel gegen steigende Ablösen. Der Campus soll sportlich helfen und zugleich neue Transfererlöse schaffen.

Die immer höheren Ablösesummen auf dem internationalen Transfermarkt zwingen auch den FC Bayern dazu, neue Wege zu gehen. In München soll deshalb nicht jeder Preissprung einfach mitgemacht werden. Stattdessen setzen die Verantwortlichen verstärkt auf ein Modell, bei dem die eigene Nachwuchsarbeit gleich doppelt helfen soll.


Campus-Boss Jochen Sauer beschreibt die Strategie als Kombination aus sportlichem und wirtschaftlichem Nutzen. Gelingt einem Talent der Sprung zu den Profis, spart sich der FC Bayern möglicherweise einen kostspieligen Neuzugang. Schafft es ein Spieler dagegen nicht dauerhaft in den Münchner Kader, soll der Klub zumindest finanziell von seiner Ausbildung profitieren.

„Die Kombination von zwei Faktoren macht den Campus zu einer guten Antwort auf den Transferwahnsinn“, erklärte Sauer im Interview mit SPOX. Als Beispiele für erfolgreiche Eigengewächse beziehungsweise Campus-Spieler nannte der 54-Jährige Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic, Josip Stanisic und Lennart Karl.

Der Gedanke dahinter ist klar: Je mehr Qualität aus dem eigenen Nachwuchs kommt, desto weniger ist Bayern auf einem Transfermarkt angewiesen, auf dem für internationale Topspieler längst regelmäßig Summen jenseits der 50- oder sogar 100-Millionen-Euro-Marke aufgerufen werden.

Bayern kombiniert die Modelle von Real und Barcelona

Gleichzeitig wollen die Münchner ihre Talente wirtschaftlich besser nutzen, wenn der direkte Weg zu den Profis nicht gelingt. Statt Nachwuchsspieler irgendwann ablösefrei ziehen zu lassen, arbeitet Bayern inzwischen verstärkt mit Verkäufen, Rückkaufoptionen und Weiterverkaufsbeteiligungen.

Dabei orientiert sich der Rekordmeister auch an Real Madrid. Die Königlichen verfolgen seit Jahren die Strategie, junge Spieler abzugeben und sich gleichzeitig Beteiligungen an späteren Transfers zu sichern. Sauer sieht den FC Bayern inzwischen auf einem ähnlichen Weg: „Wir haben in den vergangenen Jahren aufgeholt und sind da nicht mehr so weit weg. Real verfolgt dieses System sehr lange und strategisch.“

Das zweite Vorbild kommt ebenfalls aus Spanien. Beim FC Barcelona steht mit La Masia traditionell die direkte Ausbildung für die eigene Profimannschaft im Mittelpunkt. Genau dort sieht Sauer auch die Bayern-DNA stärker verankert: „Wir versuchen, sinnvolle Strategien so gut wie möglich zu kombinieren und den besten Weg für den FC Bayern München zu finden.“

Jochen Sauer
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Dass sich die Herangehensweise verändert hat, hängt auch mit schmerzhaften Erfahrungen der Vergangenheit zusammen. Spieler wie Angelo Stiller und Kenan Yildiz wurden in München ausgebildet, schafften ihren Durchbruch anschließend aber bei anderen Klubs. Gerade der ablösefreie Abschied von Yildiz zu Juventus Turin gilt rückblickend als Beispiel dafür, wie sportlicher und wirtschaftlicher Wert verloren gehen kann.

Unter Vincent Kompany ist die Durchlässigkeit inzwischen deutlich größer geworden. Der Bayern-Trainer gibt jungen Spielern regelmäßig Chancen bei den Profis und ist damit ein wichtiger Teil der neuen Strategie.

Für die Transferpolitik bedeutet das: Der FC Bayern will hohe Marktpreise künftig nicht nur mit noch größeren Investitionen beantworten. Der Campus soll stattdessen selbst Spieler für die erste Mannschaft hervorbringen – und gleichzeitig Einnahmen generieren, wenn Talente ihren Weg anderswo fortsetzen.

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