Jonas Urbig hat beim DFB stark aufgespielt. Dietmar Hamann zweifelt trotzdem daran, dass der Bayern-Keeper schon jetzt zur Nummer 1 aufsteigt.
Jonas Urbig hat die erste Länderspielphase unter Jürgen Klopp genutzt, um nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen. Der 23-Jährige blieb sowohl beim 2:0 gegen Serbien als auch beim 0:0 gegen Griechenland ohne Gegentor und war damit einer der Gewinner des DFB-Lehrgangs.
Trotzdem sieht Dietmar Hamann den Torhüter des FC Bayern noch nicht an der Spitze der deutschen Torwart-Hierarchie. Vor allem Urbigs weiterhin begrenzte Spielpraxis in München ist für den früheren Nationalspieler ein entscheidender Punkt.
„Noch kann Urbig nur gewinnen“, erklärte Hamann der tz. Jeder Einsatz helfe dem jungen Keeper dabei, „erfahrener und ein Stück besser“ zu werden. Die aktuelle Situation beim FC Bayern bewertet der Sky-Experte deshalb grundsätzlich positiv: Manuel Neuer mache immer wieder Platz, zudem verstehe sich das Duo gut.
Hamann warnt allerdings davor, aus Urbigs starken DFB-Auftritten bereits zu große Schlüsse zu ziehen. Zwischen einzelnen Einsätzen und der dauerhaften Verantwortung als Stammkeeper sieht er einen erheblichen Unterschied: „Es ist aber etwas anderes, wenn er dauerhaft im Tor stehen soll. Wenn man Stammtorhüter ist, dann gibt es nichts zu gewinnen, sondern nur zu verlieren.“
Hamann sieht ter Stegen weiter vor Urbig
Auch im DFB-Team erwartet Hamann vorerst keine Wachablösung. Marc-André ter Stegen bleibt unter Klopp aktuell die Nummer eins, während Urbig beim FC Bayern weiterhin hinter Neuer eingeordnet ist. Genau diese fehlende regelmäßige Belastung könnte im Konkurrenzkampf zum Nachteil werden.
Mit Alexander Nübel, Finn Dahmen, Noah Atubolu und ter Stegen gebe es mehrere Konkurrenten, die Woche für Woche im Tor stehen. Hamanns Schlussfolgerung fällt deshalb klar aus: „Ich glaube nicht, dass Klopp Urbig jetzt schon zur Nummer eins macht.“
Klopp selbst hatte Urbigs zweite Startelf-Chance gegen Griechenland ebenfalls ausdrücklich nicht als Beförderung verstanden. Der Bundestrainer stellte bereits vor der Partie klar, dass der zusätzliche Einsatz vor allem mit Urbigs fehlender Spielpraxis beim FC Bayern zusammenhing und „mit einem Nummer-1-Status nichts zu tun“ habe.
Dass Urbig dennoch Druck auf die etablierten Keeper ausübt, ist nach seinen beiden Zu-null-Spielen offensichtlich. Auch Oliver Kahn hatte zuletzt die Torwartfrage beim DFB als offen bezeichnet, zugleich aber ter Stegens Erfahrung hervorgehoben. Kahn kritisierte allerdings Klopps Begründung, Urbig über die Nationalmannschaft Spielpraxis verschaffen zu wollen.
Hamann traut dem Bayern-Keeper langfristig weiterhin viel zu. Seine Zweifel beziehen sich vor allem auf den Zeitpunkt. Sollte Neuer im kommenden Sommer tatsächlich seine Karriere beenden, müsste Urbig beim FC Bayern erstmals dauerhaft beweisen, dass er die Nummer eins eines europäischen Topklubs sein kann.
Bis dahin bleibt für ihn die ungewöhnliche Situation bestehen: Beim DFB hat er sich mit starken Leistungen in den Vordergrund gespielt, im Verein wartet er weiterhin auf regelmäßige Einsätze. Genau dieser Widerspruch dürfte darüber entscheiden, wie schnell Urbig auch in der Nationalmannschaft den nächsten Schritt machen kann.

