Übereinstimmenden Medienberichten zufolge plant der FC Bayern einen historischen Deal: Die letzten fünf Prozent der noch verfügbaren Anteile an der FC Bayern München AG sollen für rund 250 Millionen Euro an Viessmann gehen. Wirtschaftlich wäre das ein gewaltiges Geschäft. Bei Teilen der Fans stößt das Vorhaben allerdings auf deutliche Kritik.
Wie die tz und der Münchner Merkur am Donnerstag berichteten, möchte der FC Bayern seine Beteiligung an der Aktiengesellschaft weiter reduzieren. Das Präsidium um Herbert Hainer soll den entsprechenden Beschluss bereits gefasst haben.
Viessmann würde demnach fünf Prozent der Anteile für rund 250 Millionen Euro erwerben. Der Deal würde die FC Bayern München AG mit rund fünf Milliarden Euro bewerten.
Für den Rekordmeister hätte der Verkauf weitreichende Folgen. Der FC Bayern München e.V. hält bislang 75 Prozent der Aktien. Jeweils 8,33 Prozent befinden sich im Besitz von Adidas, Audi und Allianz. Durch den Einstieg von Viessmann würde der Anteil des Muttervereins auf 70 Prozent sinken.
Damit hätten die Bayern die selbst gesetzte Grenze für den Verkauf von Anteilen vollständig ausgeschöpft.
Bayern könnte 30-Prozent-Grenze ausschöpfen
Dass ein solcher Schritt grundsätzlich möglich ist, hatte Uli Hoeneß bereits im November 2025 öffentlich erklärt. Der Ehrenpräsident verwies damals auf die Vereinbarung mit den Mitgliedern, maximal 30 Prozent der Aktiengesellschaft für externe Anteilseigner zu öffnen. „Wir haben einen Deal mit unseren Mitgliedern, dass wir nicht mehr als 30 Prozent verkaufen. Theoretisch könnten wir fünf Prozent verkaufen, ohne die Mitglieder zu fragen. Für mehr bräuchten wir eine Zweidrittelmehrheit. Und die werden wir niemals kriegen“, erklärte Hoeneß.
Eine Abstimmung der Mitglieder wäre für den geplanten Viessmann-Deal demnach nicht erforderlich. Auf der Jahreshauptversammlung 2021 war eine Initiative gescheitert, mit der die Grenze für Anteilsverkäufe weiter eingeschränkt werden sollte.
Neben dem Einstieg als Anteilseigner soll Viessmann gleichzeitig innerhalb der Sponsorenstruktur aufsteigen und künftig zu den wichtigsten Partnern des deutschen Rekordmeisters gehören.
Finanziell wäre das Geschäft für Bayern äußerst lukrativ. Allein für die fünf Prozent würde der Klub dem Vernehmen nach 250 Millionen Euro erhalten. Dennoch sorgt gerade die Frage, warum die Münchner ausgerechnet jetzt ihre letzten verfügbaren Anteile verkaufen wollen, für Diskussionen.
Michael Ott wirft Bayern-Bossen „Wortbruch“ vor
Besonders deutlich äußerte sich Michael Ott. Der Bayern-Fan hatte in der Vergangenheit unter anderem mit seiner Kritik an der Partnerschaft mit Qatar Airways bundesweit Aufmerksamkeit erregt.
Ott kritisiert dabei weniger Viessmann selbst als vielmehr den Umgang der Klubführung mit früheren Aussagen gegenüber den Mitgliedern.
Auf der Jahreshauptversammlung 2021 sollen Präsident Herbert Hainer und der damalige Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn vermittelt haben, dass ein Verkauf der verbliebenen fünf Prozent vor allem für eine finanzielle Krisensituation infrage komme.
Schlag ins Gesicht aller Mitglieder des FCB.
JHV 2021: Hainer und Kahn: Die letzten 5% der AG-Anteile werden nur verkauft, wenn sich der Verein in einer Krise befindet.
Keine fünf Jahre später werden die 5% OHNE JEDE NOT verkauft. Wie wenig kann man zu seinem Wort stehen? (1/2) pic.twitter.com/NwDCwC7cAd— Michael Ott (@Maitre_Ott) August 13, 2026
Genau diese sieht Ott derzeit nicht. „Schlag ins Gesicht aller Mitglieder des FCB“, schrieb er auf X und erinnerte an die damaligen Aussagen. Die letzten fünf Prozent würden nun „ohne jede Not verkauft“.
Weiter erklärte Ott: „Ich habe nichts gegen Viessmann und kann auch den Deal inhaltlich kaum bewerten. Aber wie hier mit den Mitgliedern umgegangen wird, finde ich respektlos und wortbrüchig.“
Damit dürfte eine Debatte Fahrt aufnehmen, die weit über die wirtschaftliche Bewertung des Geschäfts hinausgeht. Schließlich präsentiert sich der FC Bayern regelmäßig als mitgliedergeführter Verein und verweist auf seine finanzielle Unabhängigkeit.
Gerade deshalb könnte die Kommunikation rund um den geplanten Verkauf eine entscheidende Rolle spielen.
Anteilsverkauf war schon länger ein Thema
Komplett überraschend kommen die Pläne allerdings nicht. Bereits 2025 beschäftigten sich die Bayern mit der Möglichkeit, weitere Anteile zu veräußern.
Damals gab es Gespräche mit dem schwedischen Investmentunternehmen EQT über den Erwerb eines kleineren Aktienpakets. Zu einem Abschluss kam es jedoch nicht. Die Verhandlungen verliefen letztlich im Sand, nachdem der damalige Finanzvorstand Michael Diederich den Verein verlassen hatte.
Mit Viessmann scheint jetzt ein anderer Partner bereit zu sein, eine erhebliche Summe für den Einstieg zu bezahlen. Aus wirtschaftlicher Perspektive wäre die Bewertung bemerkenswert: 250 Millionen Euro für fünf Prozent würden den Unternehmenswert der FC Bayern München AG auf rund fünf Milliarden Euro taxieren.
Für die Verantwortlichen dürfte deshalb einiges für das Geschäft sprechen. Gleichzeitig müssen Hainer und Co. erklären, warum der Verkauf gerade jetzt sinnvoll ist und wie die Einnahmen verwendet werden sollen.
Denn finanziell befindet sich der FC Bayern augenscheinlich keineswegs in einer Notlage. Hainer selbst hatte erst zuletzt auf die wirtschaftliche Stabilität des Vereins und das weiterhin vorhandene „Festgeldkonto“ verwiesen.
Genau dieser Umstand liefert den Kritikern des geplanten Deals neue Argumente. Wirtschaftlich könnten 250 Millionen Euro für fünf Prozent ein außergewöhnlich attraktives Geschäft sein. Politisch und im Verhältnis zu den eigenen Mitgliedern dürfte der geplante Viessmann-Einstieg jedoch noch für reichlich Diskussionen sorgen.

