Die Verletzungssorgen beim FC Bayern werden immer größer. Beim hart erkämpften 3:2-Erfolg gegen Bayer Leverkusen hat es mit Bernadette Amani die nächste zentrale Mittelfeldspielerin erwischt. Die 29-Jährige musste in der 73. Minute mit Problemen am rechten Knie ausgewechselt werden.
Wie schwer die Verletzung tatsächlich ist, steht noch nicht fest. Eine MRT-Untersuchung soll Klarheit bringen. Bayern-Direktorin Bianca Rech erklärte nach der Partie: „Sie hat sich das Knie verdreht“.
Ein längerer Ausfall würde die Münchnerinnen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt treffen. Bereits in der vergangenen Woche musste Lena Oberdorf den nächsten Rückschlag hinnehmen. Die 23-Jährige, die nach zwei Kreuzbandrissen ihr Comeback gefeiert hatte, fällt aufgrund einer Reizung erneut mehrere Wochen aus.
Damit entwickelt sich aus den Verletzungssorgen zunehmend ein echtes Personalproblem im defensiven Mittelfeld.
Bayern gehen die Sechser aus

Erschwerend kommt hinzu, dass die Bayern Ariana Caruso vor wenigen Wochen zu Real Madrid ziehen ließen. Die Italienerin hatte auf einen Wechsel gedrängt, die Münchnerinnen kassierten für sie eine Rekordablöse von rund 600.000 Euro.
Mit Oberdorf und Amani fehlen nun zwei weitere Optionen. Sarah Zadrazil befindet sich nach ihrem Kreuzbandriss zwar wieder auf dem Weg zurück, ist aber noch weit davon entfernt, dauerhaft über 90 Minuten eingesetzt werden zu können. Bislang sammelte die 33-Jährige nach ihrer langen Pause lediglich 15 Einsatzminuten.
Damit bleibt aktuell vor allem Momoko Tanikawa als mögliche Lösung. Die 21-jährige Japanerin hat ihre größten Qualitäten allerdings weiter vorne. In vier Partien erzielte sie bereits zwei Treffer und ist eigentlich im offensiven Mittelfeld zu Hause.
Auch Alara Sehitler könnte eine Position nach hinten rücken. Doch auch die 19-Jährige fühlt sich grundsätzlich in einer offensiveren Rolle wohler.
Transfermarkt geschlossen – Rech kann erst im Winter reagieren
Für die Bayern-Verantwortlichen wird die Situation damit besonders kompliziert. Der Transfermarkt ist geschlossen, kurzfristige Verstärkungen auf dem benötigten Niveau sind kaum verfügbar. Sollte Amani länger fehlen, muss Trainer José Barcala das Problem zunächst mit dem vorhandenen Personal lösen.
Besonders bitter ist der Zeitpunkt. Schon am 22. September beginnt für die Münchnerinnen die Champions-League-Saison mit dem Heimspiel gegen Manchester City. Danach warten mit dem FC Barcelona und Real Madrid zwei weitere europäische Schwergewichte.
Zumindest bei Oberdorf besteht Hoffnung, dass sie noch vor der Winterpause wieder eingreifen kann. Bis dahin könnte allerdings bereits ein großer Teil der entscheidenden Champions-League-Spiele absolviert sein.
Der mögliche Ausfall von Amani verschärft damit eine ohnehin angespannte Situation erheblich. Nach dem Verkauf von Caruso und den Verletzungen von Oberdorf und Zadrazil ist die Personaldecke im Zentrum extrem dünn geworden. Sollte die MRT-Untersuchung bei Amani keine Entwarnung bringen, müssen die Bayern die kommenden Wochen mit einer echten Notlösung auf der Sechser-Position überbrücken.

