Mit Ismael Saibari hat sich der FC Bayern einen der auffälligsten Offensivspieler der vergangenen Monate gesichert. Der marokkanische Nationalspieler überzeugte nicht nur bei der PSV Eindhoven, sondern auch auf der großen Bühne der Weltmeisterschaft. Doch wie passt der 25-Jährige eigentlich in das Spielsystem von Vincent Kompany?
Spätestens seit seinen starken Auftritten bei der WM dürfte jedem Bayern-Fan klar geworden sein, warum die Münchner bereit waren, bis zu 55 Millionen Euro für den Offensivspieler zu investieren. Saibari verbindet technische Klasse mit Dynamik, Torgefahr und einer bemerkenswerten taktischen Flexibilität – Eigenschaften, die hervorragend zum Anforderungsprofil des FC Bayern passen.
Hinzu kommt, dass die Verantwortlichen den Transfer bereits vor Beginn der Weltmeisterschaft vorbereitet hatten. Während Saibari seinen Marktwert mit starken Leistungen weiter steigerte, hatten sich die Münchner längst eine aussichtsreiche Position im Poker verschafft.
Torgefahr auf nahezu jeder Offensivposition
Die nackten Zahlen sprechen für sich. In den vergangenen beiden Spielzeiten sammelte Saibari im Trikot der PSV Eindhoven 57 Torbeteiligungen in 81 Pflichtspielen. Allein in der abgelaufenen Saison erzielte der Marokkaner 19 Tore und bereitete neun weitere Treffer vor.
Auch bei der Weltmeisterschaft setzte er seine starke Form fort. Mit drei Treffern in der Gruppenphase und dem entscheidend verwandelten Elfmeter im Sechzehntelfinale gehörte er zu den prägenden Figuren der marokkanischen Nationalmannschaft.
Besonders wertvoll ist dabei seine Vielseitigkeit. Zwar fühlt sich Saibari auf der Zehnerposition am wohlsten, er kann jedoch ebenso als hängende Spitze, offensiver Achter oder auf beiden Flügeln eingesetzt werden. Genau diese Flexibilität eröffnet Vincent Kompany zusätzliche Möglichkeiten.
Mehr als nur eine Kane-Alternative
Interessant ist vor allem seine Spielweise. Ähnlich wie Harry Kane lässt sich Saibari regelmäßig zwischen die Linien fallen, beteiligt sich aktiv am Kombinationsspiel und verbindet Mittelfeld und Angriff miteinander.
Gleichzeitig interpretiert der Marokkaner diese Rolle deutlich dynamischer. Er weicht häufiger auf die Außen aus, sucht das Eins-gegen-eins und stößt immer wieder mit Tempo in den Strafraum.
Gerade mit Blick auf die hohe Belastung von Kane könnte Saibari daher eine wichtige Rolle einnehmen. Zwar ist er kein klassischer Mittelstürmer, seine Bewegungsmuster erlauben es Kompany jedoch, das Offensivspiel variabler zu gestalten und Kane phasenweise zu entlasten.
Entwicklungspotenzial trotz großer Qualität

Trotz aller Stärken bringt Saibari noch Verbesserungspotenzial mit nach München. Seine Passquote von 84 Prozent sowie eine Zweikampfquote von 46 Prozent lagen zuletzt unter dem Niveau vieler Bayern-Spieler.
Gerade im intensiveren Bundesliga-Alltag dürfte der 25-Jährige lernen müssen, unter höherem Druck noch präziser und konsequenter zu agieren. Auch seine Chancenverwertung lässt Luft nach oben. Obwohl er in der Eredivisie regelmäßig den Abschluss suchte, verwandelte er nur etwa jeden fünften Torschuss.
Warum Kompany überzeugt ist
Seine Stärken passen dennoch hervorragend zur Spielidee des Bayern-Trainers. Saibari sucht konsequent den Weg zum Tor, beteiligt sich aktiv am Pressing und kann auf mehreren Positionen eingesetzt werden. Mit durchschnittlich 3,4 Abschlüssen pro 90 Minuten bewegt er sich auf einem ähnlichen Niveau wie Michael Olise oder Jamal Musiala.
Auch moderne Leistungsdaten unterstreichen seinen Einfluss. In der vergangenen Saison war Saibari an 218 Strafraumaktionen beteiligt und gehörte ligaweit zu den produktivsten Offensivspielern der Eredivisie. Besonders bemerkenswert: Datenanalysen ordnen sein Spielprofil unter anderem Michael Olise und Florian Wirtz zu – zwei Akteuren, die Kreativität, Dynamik und Torgefahr auf höchstem Niveau verbinden.
Genau diese Mischung dürfte den Ausschlag gegeben haben. Der FC Bayern hat mit Saibari keinen klassischen Flügelspieler oder Zehner verpflichtet, sondern einen Offensiv-Allrounder, der mehrere Rollen auf höchstem Niveau ausfüllen kann. Gelingt ihm der Schritt von der Eredivisie in die Bundesliga, könnte sich der Transfer für die Münchner schon bald als einer der spannendsten Deals der vergangenen Jahre erweisen.

