Joshua Kimmich ist Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und gehört unter Jürgen Klopp zu den zentralen Figuren. Nach dem 2:0 gegen Serbien wird dennoch über seine Rolle diskutiert. Der Grund dafür ist ausgerechnet das starke Zusammenspiel seiner beiden Bayern-Kollegen Tom Bischof und Aleksandar Pavlovic.
Beide überzeugten im zentralen Mittelfeld, Bischof erzielte zudem den Führungstreffer. Florian Wirtz blühte vor ihnen ebenfalls auf. Kimmich, der nicht zum zweiten DFB-Kader gehörte, verfolgte die Partie von der Tribüne.
Wie sensibel das Thema mittlerweile ist, zeigte sich nach dem Abpfiff. Auf der Pressekonferenz wurde Klopp gefragt, warum Wirtz mit Bischof und Pavlovic so gut harmoniert habe. Kimmichs Name fiel in der Frage überhaupt nicht. Der Bundestrainer stellte trotzdem sofort einen Zusammenhang her.
Klopp: „Am Ende wird’s ne Kimmich-Geschichte“
„Es ist so ein schöner Abend und ihr wollt ein Thema aufmachen, das kein Thema ist“, reagierte Klopp genervt. Wenig später legte der 59-Jährige nach: „Am Ende wird’s ne Kimmich-Geschichte – das kriegt ihr ja hin!“
Klopp machte damit deutlich, dass er von einem grundsätzlichen Vergleich zwischen dem Mittelfeld gegen Serbien und einer Mannschaft mit Kimmich wenig hält. Gleichzeitig zeigt die Reaktion, dass der Bundestrainer die aufkommende Diskussion sehr genau registriert.
Brisant ist dabei auch die Vorgeschichte. Kimmich wäre nach den ersten beiden Länderspielen gerne bei der Mannschaft geblieben. Klopp bestätigte bereits, dass sein Kapitän mehrfach nachgefragt hatte. Der Bundestrainer hielt dennoch an seinem Plan fest, den Kader für die zweite Hälfte der Länderspielphase nahezu komplett auszutauschen.
Kimmich musste deshalb mit ansehen, wie sich Bischof und Pavlovic im Zentrum für weitere Aufgaben empfahlen. Auffällig war anschließend auch, dass Klopp den starken Auftritt Bischofs nicht isoliert herausstellen wollte, sondern bei seinem Lob schnell weitere Spieler einbezog.
Wird es für Kimmich jetzt ungemütlich?

SPORT1-Chefreporter Stefan Kumberger sieht darin eine Diskussion, die für Kimmich durchaus unangenehm werden könnte. „Das Thema ist da. Solche Diskussionen sind für Führungsspieler wie Kimmich gefährlich – vor allem dann, wenn man verletzt ist, eine Pause bekommt oder ein Leistungstief erlebt“, erklärte er im Podcast Die Bayern-Woche.
Nach einem einzigen überzeugenden Auftritt von Bischof und Pavlovic wäre es verfrüht, Kimmichs Status grundsätzlich infrage zu stellen. Der 31-Jährige ist weiterhin Kapitän und spielt in Klopps Planungen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig ist die Konkurrenz im Zentrum größer geworden.
„Ich halte es für verfrüht, aber die Diskussion ist am Kommen“, betonte Kumberger.
Genau darin liegt die neue Situation für Kimmich. Bischof drängt mit gerade einmal 21 Jahren auf weitere Einsatzzeiten, Pavlovic hat ebenfalls seine Ansprüche unterstrichen. Klopp besitzt damit Alternativen, die gegen Serbien auf Anhieb funktioniert haben.
Kumberger bezeichnet die Diskussion deshalb sogar als eine der heikelsten Fragen für den Bundestrainer: „Der Bundestrainer weiß ganz genau: Das ist vielleicht die gefährlichste Diskussion im deutschen Fußball. Klopp merkt, dass er frühzeitig gegensteuern muss.“
Genau das hat Klopp nach dem Serbien-Spiel getan. An seinem Kapitän lässt er öffentlich keinen Zweifel aufkommen. Ob sich die Debatte damit dauerhaft stoppen lässt, dürfte allerdings vor allem davon abhängen, wie Kimmich, Bischof und Pavlovic in den kommenden Monaten auf dem Platz auftreten.

