
Nach Klopp-Zoff: Auch Hummels kritisiert Spielweise von Harry Kane
Harry Kane ist beim FC Bayern längst mehr als ein klassischer Mittelstürmer. Der frisch gekürte Ballon-d’Or-Gewinner lässt sich regelmäßig ins Mittelfeld fallen, beteiligt sich am Spielaufbau und übernimmt sogar defensive Aufgaben. Doch genau diese Vielseitigkeit sorgt zunehmend für Diskussionen. Nachdem bereits Bundestrainer Jürgen Klopp die ungewöhnliche Rolle des Engländers hinterfragt hatte, meldet sich nun auch Mats Hummels kritisch zu Wort.
Vor dem Champions-League-Duell gegen Atlético Madrid analysierte Hummels bei Amazon Prime Video die aktuelle Spielweise des 33-Jährigen. Der ehemalige Bayern-Verteidiger sieht einen möglichen Zusammenhang zwischen Kanes veränderter Positionierung und seiner zuletzt geringeren Torgefahr.
Dabei sind die Zahlen weiterhin beeindruckend: In 13 Pflichtspielen kommt Kane in dieser Saison auf zehn Treffer und acht Vorlagen. Dennoch glaubt Hummels, dass der Engländer seine außergewöhnliche Abschlussqualität derzeit nicht optimal zur Geltung bringt.
Hummels fordert mehr Strafraumpräsenz von Kane
„Ich glaube, wir haben gerade eine Phase, in der ein bisschen zu wenig sein Mittelstürmer-Spiel spielt. Ich hätte gerne, dass er wieder ein bisschen mehr in der Box ist“, erklärte Hummels.
Der TV-Experte sieht vor allem Kanes häufige Ausflüge ins Mittelfeld kritisch. „Er hatte nicht viele Torchancen, weil er nicht voll in der Sturmspitze ist. Vielleicht liegt das daran, dass er gerade viel im Mittelfeld herumturnt“, so der frühere Nationalspieler.
Gleichzeitig betonte Hummels, dass Kane seine Aufgaben als Spielmacher hervorragend erfülle: „Er macht das großartig, er macht das wie kaum ein anderer.“
Dennoch würde er den Torjäger gerne wieder häufiger in unmittelbarer Nähe des gegnerischen Tores sehen.
Beim jüngsten 2:2 gegen Borussia Dortmund hatte Kane zwar den Treffer von Dayot Upamecano vorbereitet, gleichzeitig aber einen Elfmeter verschossen und aus kurzer Distanz nur den Pfosten getroffen.
Auch Klopp hinterfragte bereits Kanes ungewöhnliche Rolle

Hummels ist nicht der erste prominente Experte, der sich mit Kanes veränderter Spielweise beschäftigt.
Bereits beim 2:2 gegen den FC Arsenal hatte Bundestrainer Jürgen Klopp öffentlich seine Verwunderung über die taktische Ausrichtung der Münchner geäußert. „Ich habe bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht. Aber ich will mich einfach weiterbilden“, erklärte Klopp damals bei DAZN.
Besonders Kanes weitreichende Defensivaufgaben sorgten beim ehemaligen Liverpool-Trainer für Fragezeichen.
„Das finde ich mit Ball in Ordnung, aber gegen den Ball. Wenn ich Harry Kane in der letzten Linie sehe, und zwar nicht im tiefen Block, sondern im Mittelfeld-Pressing“, kritisierte Klopp.
Während Klopp vor allem die defensive Positionierung hinterfragte, fordert Hummels nun eine stärkere offensive Präsenz des Engländers.
Die ungewöhnliche Rolle des Bayern-Stürmers wird damit zunehmend zum Diskussionsthema.
Allerdings gibt es auch prominente Befürworter von Kanes Spielweise. Prime-Expertin Josephine Henning betonte vor dem Atlético-Spiel, wie schwierig der Engländer durch seine Bewegungen zu verteidigen sei. „Es ist so schwer zu verteidigen. Wenn er sich fallen lässt und zwischen den Linien spielt. Als Verteidiger lässt du dich herausziehen – das ist Horror. Es ist wirklich schwer“, erklärte die viermalige Champions-League-Siegerin.
Für den FC Bayern bleibt Kane damit ein Spieler, dessen taktische Vielseitigkeit gleichermaßen Bewunderung und kritische Nachfragen hervorruft. Die entscheidende Frage ist, ob der Engländer seine Rolle als Spielmacher und seine Qualitäten als Torjäger dauerhaft optimal miteinander verbinden kann.
