
Drei Erkenntnisse: Diesen Streit können die Bayern gerade gar nicht gebrauchen
Der FC Bayern lässt am 8. Spieltag im Bundesliga-Klassiker gegen Borussia Dortmund zwei Punkte liegen. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zum Spiel.
Der FC Bayern hätte sich im direkten Duell mit Borussia Dortmund an der Tabellenspitze absetzen können. Stattdessen stehen nach dem 2:2 zwei verlorene Punkte und neue Sorgen. Drei Erkenntnisse zum Klassiker.
1. Bayern muss den Chancenwucher abstellen
Harry Kane präsentierte vor dem Anpfiff seinen Ballon d’Or, im Spiel blieb dem Torjäger dann allerdings wenig Anlass zum Jubeln. Sein Handelfmeter landete an der Latte, vor dem ersten Dortmunder Ausgleich verlor er den Ball. Auch seine Kopfballvorlage zum zwischenzeitlichen 2:1 durch Dayot Upamecano konnte den Abend nur bedingt retten.
Kanes vergebener Strafstoß war die auffälligste Szene eines größeren Bayern-Problems an diesem Abend. Die Münchner erspielten sich sechs Großchancen und kamen auf einen Expected-Goals-Wert von 4,18. Dortmund erreichte lediglich 0,63. Trotzdem erzielten beide Mannschaften jeweils zwei Treffer.
Auch Michael Olise und Karl scheiterten am Aluminium. Allein mit Pech lässt sich das Ergebnis allerdings nicht erklären. Von 23 Bayern-Abschlüssen gingen lediglich fünf auf das Tor. Der Rekordmeister kam oft genug in gefährliche Positionen, machte daraus aber zu wenig.
Besonders teuer war die verpasste Gelegenheit, nach der Pause auf 2:0 zu erhöhen. Statt Dortmund zu einem größeren Risiko zu zwingen, hielten die Bayern ihren Konkurrenten im Spiel. Auch nach der erneuten Führung gelang es ihnen nicht, die Partie zu entscheiden oder den Vorsprung abzusichern.
So bleibt ein Unentschieden im Topspiel, das sich für die Bayern wie eine verpasste Gelegenheit anfühlt.
2. Verletzungsmisere wird zur echten Gefahr
Die Ausfälle verändern inzwischen sichtbar die Zusammensetzung der Mannschaft. Nach den frühen Verletzungen von Ismael Saibari und Serge Gnabry musste Aaron Danks bereits vor der Pause improvisieren. Nathaniel Brown übernahm die Zehnerposition, Alphonso Davies rückte in die Offensive und Josip Stanisic besetzte die linke Abwehrseite.
Dabei ging offensive Qualität verloren. Brown fand im Zentrum kaum ins Spiel, Davies entwickelte trotz seines Einsatzes wenig Torgefahr. Die Aufgaben der ausgefallenen Angreifer konnten beide nur eingeschränkt übernehmen.
Dass in der Schlussphase auch noch Olise angeschlagen ausgewechselt werden musste, verschärft die Sorgen erheblich. Jamal Musiala und Luis Díaz fehlen bereits. Sollte nun das gegen Dortmund gestartete offensive Trio ebenfalls ausfallen, blieben von sieben etablierten Angreifern lediglich Kane und Karl übrig.
Endgültige Diagnosen stehen noch aus. Bei Saibari und Gnabry deuteten die ersten Einschätzungen allerdings auf ernsthaftere Verletzungen hin. Saibari verließ die Arena auf Krücken. Bei Olise äußerte sich Max Eberl vorsichtig optimistisch, eine gesicherte Entwarnung gab es zunächst aber nicht.
Schon am Dienstag wartet Atlético Madrid. Für Danks wird damit jede Entscheidung schwieriger: Wen kann er auf welcher Position einsetzen, welche Wechsel bleiben ihm und wem lässt sich überhaupt noch eine Pause ermöglichen?
Die Bayern sind weiterhin ungeschlagen. Doch jeder weitere Ausfall vergrößert die Belastung der verbliebenen Leistungsträger. Dazu schrumpfen die taktischen Möglichkeiten.
3. Karl-Streit können die Bayern gerade gar nicht gebrauchen
Ausgerechnet in dieser Situation wird über einen der verbliebenen Offensivspieler öffentlich gestritten. Uli Hoeneß fordert von Lennart Karl mehr „Demut“ und kündigt ein „ernstes Gespräch“ an. Eberl spricht von einem sportlichen „Loch“ und dem „einen oder anderen Fehltritt“. Michael Ballack wiederum verteidigt seinen Klienten und kritisiert die Bayern-Verantwortlichen.
Dabei lässt sich Karls sportliche Entwicklung nachvollziehbar erklären. Nach seinem Durchbruch bremsten ihn Verletzungen aus, die Weltmeisterschaft verpasste er. In der laufenden Saison stehen bislang drei Scorerpunkte in zwölf Einsätzen zu Buche. Zuletzt zeigte seine Leistungskurve gegen Freiburg und Magdeburg immerhin wieder nach oben.

Durch die öffentlichen Aussagen wird aus dieser schwierigen Phase nun eine Debatte, in der Leistungen, Auftreten und Erwartungen an seine Persönlichkeit ineinanderfließen. Für Karl bedeutet das zusätzliche Aufmerksamkeit, während er auf dem Platz wieder Sicherheit gewinnen muss.
Ballacks Doppelrolle verschärft die Auseinandersetzung. Als Berater will er Karl schützen. Als TV-Experte bei DAZN bewertet er gleichzeitig die Arbeit des Vereins. Diese Überschneidung bietet Konfliktstoff und wurde von Eberl öffentlich hinterfragt.
Diesen Streit können die Bayern aber gerade gar nicht gebrauchen: Sportlich könnte Karl nun deutlich stärker gebraucht werden. Gegen Dortmund kam er erst in der 85. Minute, hätte mit seinem Lattenschuss in der Nachspielzeit aber beinahe den Sieg ermöglicht.
Wegen der Verletzungen könnten ihm schon in Madrid mehr Einsatzminuten bevorstehen. Umso wichtiger wäre es, die öffentliche Auseinandersetzung zu beruhigen und ihm mit mehr Rückhalt die Chance zu geben, wieder über seine Leistungen auf dem Platz wahrgenommen zu werden.
