Tom Bischof gehörte zu den auffälligsten Spielern in der Saisonvorbereitung des FC Bayern. Während zahlreiche Leistungsträger nach der Weltmeisterschaft noch im Urlaub waren, konnte sich der 21-Jährige intensiv bei Vincent Kompany präsentieren. Zum Start in die Pflichtspielsaison hat sich das Bild allerdings verändert.
Sowohl im Supercup gegen Borussia Dortmund als auch beim 5:1 gegen den VfB Stuttgart musste Bischof lange auf der Bank warten. Erst in der Schlussphase durfte der ehemalige Hoffenheimer jeweils auf den Platz. Viel Zeit, um nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen, blieb ihm nicht.
Grund zur Sorge gibt es deshalb aber noch lange nicht. Vielmehr könnte Bischofs große Stunde erst in den kommenden Wochen schlagen. Der Spielplan des Rekordmeisters wird immer dichter und Kompany hat bereits angekündigt, intensiv rotieren zu wollen.
Bischof hat ein gewaltiges Konkurrenzproblem
Dass Bischof derzeit nur eine Nebenrolle spielt, hat vor allem mit der enormen Qualität des Bayern-Kaders zu tun. Auf seiner bevorzugten Position im zentralen Mittelfeld führt aktuell kaum ein Weg an Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic vorbei.
Beide sind eingespielt und haben auch beim Bundesliga-Auftakt gezeigt, wie wichtig sie für das Spiel der Münchner sind. Bischof müsste außergewöhnlich starke Leistungen zeigen, um einen der beiden dauerhaft aus der Startelf zu verdrängen.
Auch dahinter wächst die Konkurrenz. Mit Bara Sapoko Ndiaye steht ein weiteres großes Talent bereit, das sich immer näher an die Profimannschaft herangearbeitet hat.
Ein Ausweichen auf andere Positionen macht die Situation für Bischof kaum einfacher. Auf der Zehn stehen Kompany unter anderem Ismael Saibari, Nathaniel Brown, Lennart Karl und Michael Olise zur Verfügung. Nach seiner Rückkehr kommt dort auch Jamal Musiala wieder infrage.
Selbst auf der linken Abwehrseite, auf der Bischof bereits überzeugen konnte, ist das Gedränge groß. Alphonso Davies und Brown sind dort die naheliegenden Optionen. Hinzu kommen Spieler wie Konrad Laimer und Josip Stanisic, die bei Bedarf ebenfalls aushelfen können.
Bischofs große Chance kommt noch

Die starke Vorbereitung hatte möglicherweise Erwartungen geweckt, die kaum zu erfüllen waren. Bischof bekam während der Asien-Tour viel Spielzeit und stand aufgrund der dünneren Personaldecke stärker im Mittelpunkt. Daraus abzuleiten, dass er zu Saisonbeginn automatisch um einen Stammplatz kämpfen würde, wäre jedoch zu viel verlangt.
Seine Ausgangslage ist dennoch vielversprechend. Bis zur ersten längeren Saisonpause wartet ein enormes Pensum auf die Bayern. Allein in den kommenden 122 Tagen stehen 22 Pflichtspiele an. Kimmich und Pavlovic werden dieses Programm kaum ohne Pausen absolvieren.
Schon im anstehenden Pokalspiel gegen den VfL Osnabrück könnte deshalb die erste größere Gelegenheit auf Bischof warten. Kompany hat deutlich gemacht, dass Rotation in dieser Saison fester Bestandteil seiner Planungen sein wird.
Für Bischof sollte es ohnehin weniger darum gehen, Kimmich oder Pavlovic sofort dauerhaft zu verdrängen. Viel wichtiger ist es, sich als erste Alternative im zentralen Mittelfeld zu etablieren und seine Einsatzzeiten Schritt für Schritt auszubauen.
Die Voraussetzungen dafür bringt er mit. Schon in der vergangenen Saison zeigte Bischof seine Pressingresistenz, technische Qualität und Torgefahr aus zentralen Positionen. Auch Kompany hält große Stücke auf den Mittelfeldspieler.
Nach zwei Pflichtspielen eine Einsatzkrise auszurufen, wäre deshalb deutlich verfrüht. Bischof muss geduldig bleiben und seine Chancen nutzen, sobald sie kommen. Angesichts des dicht getakteten Bayern-Spielplans dürfte er darauf nicht allzu lange warten müssen.

