Die Torwartdebatte rund um die deutsche Nationalmannschaft sorgt weiter für reichlich Zündstoff. Nun hat sich auch Bayern- und DFB-Legende Sepp Maier deutlich zu Wort gemeldet – und dabei vor allem Bundestrainer Julian Nagelsmann scharf kritisiert.
Zwar stellte der frühere Weltklasse-Keeper im Gespräch mit SPORT1 klar, dass Manuel Neuer für ihn weiterhin die beste Lösung im deutschen Tor sei. Mit der Kommunikation des Bundestrainers konnte Maier allerdings wenig anfangen. „Dieses Rumgeeier war nicht mehr auszuhalten“, erklärte der 82-Jährige deutlich.
Nagelsmann hatte Oliver Baumann über Monate öffentlich als Nummer 1 bezeichnet, ehe er sich kurz vor der WM doch für eine Rückkehr von Manuel Neuer entschied.
Für Baumann empfindet Maier zwar Mitgefühl, an der sportlichen Einschätzung lässt er aber keinen Zweifel. „Wenn Manuel Neuer bei 100 Prozent ist, dann ist er besser“, betonte die Bayern-Legende.
Urbig-Rolle sorgt für völliges Unverständnis
Besonders verärgert zeigte sich Maier allerdings über eine andere Entscheidung des Bundestrainers. Dass Jonas Urbig zwar mit zur Weltmeisterschaft reist, aber offiziell nicht Teil des 26er-Kaders ist und lediglich als zusätzlicher Trainingskeeper fungieren soll, brachte den früheren Nationaltorwart regelrecht auf die Palme. „Was ist denn bitte ein ‘Trainingstorhüter’? Sind die jetzt alle verrückt geworden?“, wetterte Maier.
Mit gewohnt trockenem Humor legte er direkt nach: „Dann soll der Nagelsmann doch gleich sagen, dass er vier Torhüter mitnimmt.“
Maier konnte sich sogar eine weitere Spitze nicht verkneifen. „Fehlt nur noch, dass er den Freiburger Noah Atubolu als Elfmeter-Torhüter einpackt“, scherzte der ehemalige Weltmeister.
Tatsächlich ist die Idee eines zusätzlichen Torhüters im DFB-Umfeld allerdings nicht neu. Bereits vor der Heim-EM 2024 hatte Nagelsmann mit vier Torhütern gearbeitet und damals sogar Jan Reichert vom 1. FC Nürnberg als Trainingskeeper integriert.
Maier sieht Neuer trotz Verletzung klar vorne

Auch Neuers aktuelle Wadenprobleme ändern für Maier nichts an seiner grundsätzlichen Einschätzung. „Natürlich ist das ein Risiko“, räumte er zwar ein.
Dennoch hält er die Rückkehr des Bayern-Keepers für absolut nachvollziehbar. „Ein Manuel Neuer mit 80 Prozent Präsenz ist für viele Gegner immer noch schlimmer als andere mit 100 Prozent“, erklärte Maier.
Vor allem Neuers Ausstrahlung sei laut Maier ein enormer Faktor für die Mannschaft. „Da kommt nicht einfach irgendein Torwart aus der Kabine. Da kommt Manuel Neuer“, schwärmte die Bayern-Legende.
Diese Präsenz helfe nicht nur der eigenen Mannschaft, sondern beeindrucke auch die Gegner.
Die Diskussion um die Torwartfrage dürfte damit trotz der offiziellen Entscheidung des DFB wohl noch lange nicht beendet sein.

