Der FC Bayern investiert seit Jahren viel Zeit und Geld in seine internationale Vermarktung. Präsident Herbert Hainer ist das allerdings zu wenig – zumindest mit Blick auf die gesamte Bundesliga. Der 72-Jährige fordert die anderen Klubs und die Liga auf, deutlich aktiver zu werden. Aus seiner Sicht kann der deutsche Rekordmeister die internationale Strahlkraft des deutschen Fußballs nicht im Alleingang erhöhen.
Die aktuelle Asienreise des FC Bayern zeigt einmal mehr, welchen Aufwand die Münchner betreiben, um ihre Marke auf internationalen Märkten zu stärken. In Südkorea und Hongkong stehen für die Mannschaft von Vincent Kompany nicht nur Training und Testspiele auf dem Programm. Zahlreiche Sponsoren- und Fantermine gehören ebenfalls zur Audi Summer Tour.
Präsident Herbert Hainer hatte bereits zu Beginn der Reise deutlich gemacht, dass er bei anderen Bundesligisten vergleichbare Anstrengungen vermisst. Nun legte der Bayern-Boss noch einmal nach.
„Internationalisierung ist keine Aufgabe, die ein einzelner Verein allein bewältigen kann. Wir alle müssen als Bundesliga gemeinsam daran arbeiten, und die Liga selbst muss eine deutlich aktivere Rolle spielen“, erklärte Hainer.
„Wir brauchen viel stärkere Unterstützung“
Für den Bayern-Präsidenten liegt der Schlüssel vor allem in einem gemeinsamen Vorgehen. Nicht einzelne Vereine sollen auf eigene Faust versuchen, internationale Märkte zu erschließen. Vielmehr müsse die Bundesliga als Gesamtprodukt stärker auftreten.
„Vom FC Bayern kann nicht erwartet werden, dass er die gesamte Last allein trägt. Wir brauchen viel stärkere Unterstützung von der gesamten Bundesliga, nicht nur von ein oder zwei Vereinen, sondern von der gesamten Liga“, forderte Hainer.
Damit richtet sich seine Kritik nicht nur an die Bundesliga-Konkurrenten, sondern auch an die Liga selbst. Zwar profitiert der FC Bayern von seiner enormen internationalen Bekanntheit und besitzt längst eine globale Fanbasis. Für die wirtschaftliche Entwicklung des deutschen Profifußballs reicht ein international starker Rekordmeister aus Hainers Sicht jedoch nicht aus.
Gerade die Premier League zeigt, wie wertvoll die globale Vermarktung einer kompletten Liga sein kann. Englische Klubs profitieren von enormen internationalen TV-Erlösen und einer weltweiten Präsenz, die längst nicht nur auf Manchester City, Liverpool oder Manchester United beschränkt ist.
Bayern warnt vor wachsender finanzieller Lücke

Für den FC Bayern ist die Diskussion auch aus sportlicher Sicht von großer Bedeutung. Die wirtschaftliche Überlegenheit der Premier League wirkt sich unmittelbar auf den Transfermarkt aus. Selbst englische Vereine außerhalb der absoluten Spitzengruppe verfügen teilweise über finanzielle Möglichkeiten, mit denen viele Bundesligisten kaum konkurrieren können.
Vincent Kompany hatte zuletzt ebenfalls auf diesen Unterschied hingewiesen. Für den Bayern-Coach ist die Premier League aufgrund ihrer enormen finanziellen Ressourcen aktuell die stärkste Liga der Welt. Die Bundesliga sieht der Belgier dahinter auf Rang zwei.
Hainer möchte verhindern, dass der Abstand künftig noch größer wird. Eine bessere internationale Vermarktung könnte zusätzliche Erlöse durch Medienrechte, Sponsoren und Partnerschaften ermöglichen und damit die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Liga stärken.

