Der FC Bayern muss seine Strategie bei der Entwicklung seiner Nachwuchsspieler teilweise neu ausrichten. Los Angeles FC hat seine Mehrheitsbeteiligung am Grasshopper Club Zürich abgegeben. Das betrifft indirekt auch die Münchner, die zuletzt regelmäßig Talente beim Schweizer Erstligisten parkten und damit durchaus erfolgreich waren.
Die Entscheidung wurde bereits Ende Juni bekannt gegeben, fand in Deutschland bislang allerdings kaum Beachtung, wie die tz berichtet. LAFC teilte mit, dass seine Mehrheitsbeteiligung am Grasshopper Club Zürich an die Bridge Football Group Switzerland AG übertragen wurde.
Auf den ersten Blick hat diese Entscheidung wenig mit dem FC Bayern zu tun. Tatsächlich besteht aber eine enge Verbindung: Die Münchner betreiben gemeinsam mit LAFC das Nachwuchsprojekt „Red & Gold“, über das internationale Talente entwickelt werden sollen.
Grasshopper entwickelte sich dabei in den vergangenen Jahren zu einer interessanten Zwischenstation für Bayern-Spieler. Talente, die der Regionalliga bereits entwachsen waren, für regelmäßige Einsätze unter Vincent Kompany aber noch nicht weit genug waren, konnten in Zürich Erfahrungen im Profifußball sammeln.
Bayern profitierte gleich mehrfach von Zürich-Leihen
Dass dieses Modell funktionieren kann, zeigte zuletzt Jonathan Asp Jensen. Der Däne absolvierte während seiner Zeit bei Grasshopper insgesamt 40 Partien und erzielte dabei neun Tore.
Für einen dauerhaften Platz im Bayern-Kader reichte seine Entwicklung anschließend zwar nicht. Wirtschaftlich zahlte sich die Leihe für den deutschen Rekordmeister dennoch aus. Der spanische Erstligaaufsteiger Deportivo La Coruña verpflichtete den 20-Jährigen für rund sechs Millionen Euro.
Einen ähnlichen Weg nahm Nestory Irankunda. Auch der Australier sammelte zunächst Spielpraxis in Zürich, ehe ihn die Bayern 2025 für rund drei Millionen Euro an den FC Watford verkauften.
Die Münchner konnten ihre Talente damit auf höherem Niveau als in der Regionalliga entwickeln lassen und gleichzeitig deren Marktwert steigern. Genau diese unkomplizierte Möglichkeit fällt in dieser Form nun zunächst weg.
Hinter dem Rückzug von LAFC sollen unter anderem die schwierigen Rahmenbedingungen in Zürich stehen. Besonders Teile der aktiven Fanszene betrachteten das Engagement des amerikanischen Klubs bei Grasshopper kritisch.
Bayern braucht eine neue Entwicklungsstation

Das internationale Nachwuchsmodell von Bayern und LAFC ist damit allerdings keineswegs beendet. Vielmehr richten die Amerikaner ihren Fokus neu aus.
Künftig soll die Zusammenarbeit mit Wacker Innsbruck intensiviert werden. Der österreichische Klub könnte damit perspektivisch auch für Bayern-Talente interessanter werden. Allerdings spielt Wacker derzeit lediglich in der zweiten österreichischen Liga und bietet damit sportlich andere Voraussetzungen als der Schweizer Erstligist Grasshopper.
Darüber hinaus soll LAFC den europäischen Markt nach einem möglichen neuen Klubinvestment sondieren. Sollte der amerikanische Bayern-Partner erneut bei einem europäischen Verein einsteigen, könnte sich daraus auch für den Rekordmeister eine neue Entwicklungsstation ergeben.
Bis dahin entsteht für die Münchner jedoch eine Lücke. Gerade für Spieler, die für die Regionalliga zu weit entwickelt sind, gleichzeitig aber noch keine realistische Perspektive auf regelmäßige Einsätze bei den Profis besitzen, waren die Grasshoppers eine passende Adresse.
Die Beispiele Asp Jensen und Irankunda haben gezeigt, dass Bayern von diesem Modell nicht nur sportlich profitieren kann. Durch die Entwicklung auf höherem Niveau wurden die Talente auch für andere Klubs interessanter und brachten den Münchnern anschließend Millionen-Ablösen ein.
Nach dem Rückzug des LAFC aus Zürich müssen die Bayern nun nach Alternativen suchen. Die Hoffnung dürfte darauf liegen, dass innerhalb des „Red & Gold“-Netzwerks schon bald eine neue europäische Adresse gefunden wird, die eine ähnliche Rolle wie Grasshopper übernehmen kann.

