Nach dem Saisonbeginn stellt sich die Frage: Haben sich die Verantwortlichen des FC Bayern bei einem Transfer einen Fehler gemacht?
Arijon Ibrahimovic glänzt nach seiner Leihe zum FC Augsburg auf Anhieb. Beim FC Bayern könnte sein Abgang noch für Diskussionen sorgen.
Ibrahimovic hat nicht lange gebraucht, um beim FC Augsburg auf sich aufmerksam zu machen. Beim 4:1-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt feierte der 20-Jährige ein starkes Bundesliga-Debüt für seinen neuen Klub. Ibrahimovic erzielte den wichtigen Ausgleich, war an der Entstehung des zweiten Treffers beteiligt und wurde anschließend von den Fans zum Man of the Match gewählt.
Für den FC Bayern ist dieser Auftritt durchaus interessant. Ibrahimovic hatte die komplette Vorbereitung in München absolviert und bekam die Gelegenheit, sich für einen Platz im Kader von Vincent Kompany zu empfehlen. Kurz vor dem Ende der Transferperiode entschieden sich die Verantwortlichen dennoch für eine Leihe zum FC Augsburg. Der FCA sicherte sich dabei auch eine Kaufoption.
Die Überlegung der Münchner war nachvollziehbar: In Augsburg soll Ibrahimovic regelmäßig auf dem Platz stehen und sich auf Bundesliga-Niveau weiterentwickeln. Genau das scheint sofort aufzugehen – jedenfalls nach den Eindrücken der Premiere beim neuen Klub. Doch aus Bayern-Sicht hat die Personalie noch eine andere Seite.
Ibrahimovic fehlt jetzt als Alternative zu Diaz
Denn ausgerechnet auf der linken offensiven Außenbahn ist der Kader des FC Bayern nicht besonders breit aufgestellt. Luis Diaz ist dort der klare Stammspieler. Eine klassische Eins-zu-eins-Alternative gibt es nach der Ibrahimovic-Leihe aber nicht mehr.
Dieses Problem hat sich bereits beim 0:0 auf Schalke angedeutet. Während Harry Kane und Michael Olise zunächst geschont wurden, stand Diaz erneut in der Startelf. Der Kolumbianer hatte eine extrem lange Vorsaison mit 51 Pflichtspielen für Bayern sowie anschließend der Weltmeisterschaft hinter sich und wirkte in Gelsenkirchen nicht besonders frisch. Zwei große Möglichkeiten ließ der 29-Jährige ungenutzt.
Gerade deshalb stellt sich die Frage, wie Kompany die Belastung seines Linksaußen in den kommenden Monaten steuern will. Serge Gnabry, Jamal Musiala, Lennart Karl oder auch Alphonso Davies könnten grundsätzlich auf der linken offensiven Seite eingesetzt werden. Ihre eigentlichen Rollen liegen jedoch woanders.

Ibrahimovic wäre dagegen eine deutlich natürlichere Alternative für diese Position gewesen. Dass der 20-Jährige prinzipiell auf Bundesliga-Niveau mithalten kann, hatte er bereits während seiner vorherigen Leihe zum 1. FC Heidenheim gezeigt. Sein Einstand in Augsburg lieferte nun ein weiteres Argument.
Bayern setzt in dieser Saison bewusst auf einen kleineren Kader und möchte fehlende Tiefe unter anderem durch die Vielseitigkeit mehrerer Spieler auffangen. Gerade auf der linken Außenbahn könnte diese Strategie allerdings an ihre Grenzen stoßen.
Ob die Ibrahimovic-Leihe tatsächlich ein Fehler war, lässt sich nach einem starken Spiel für Augsburg natürlich noch nicht abschließend beurteilen. Für seine persönliche Entwicklung kann regelmäßige Spielzeit beim FCA enorm wertvoll sein. Gleichzeitig muss Bayern jetzt aber über eine lange Saison hinweg dafür sorgen, dass Diaz ausreichend Pausen erhält.
Sollte Ibrahimovic in Augsburg weiter überzeugen und Diaz aufgrund der hohen Belastung häufiger eine Verschnaufpause benötigen, dürfte die Entscheidung vom Deadline Day an der Säbener Straße noch für Diskussionen sorgen.

