Karl-Heinz Rummenigge hat neue Einblicke in die Diskussionen um die Vertragsverlängerung von Max Eberl beim FC Bayern gegeben. Nachdem der 70-Jährige bereits bestätigt hatte, im Aufsichtsrat sogar über eine Nein-Stimme nachgedacht zu haben, erläutert er nun die Hintergründe seiner Enthaltung.
Dabei wird deutlich: Rummenigges Vorbehalte richteten sich nach eigener Darstellung vor allem gegen den Ablauf rund um die Entscheidung und die öffentliche Kommunikation – nicht zwingend gegen Eberls sportliche Arbeit.
Im Gespräch mit der Abendzeitung München erklärte Rummenigge, dass ihn insbesondere Berichte über eine vermeintlich bereits getroffene Entscheidung des Präsidialausschusses gestört hätten.
„So funktioniert das nicht“
„Etwas an der Diskussion um Max hat mich irritiert. Es wurde der Eindruck erweckt, dass der Präsidialausschuss bereits über die Vertragsverlängerung entschieden und diese Entscheidung lediglich an die anderen vier Mitglieder des Aufsichtsrats weitergeleitet habe. Aber so funktioniert das nicht. Der Präsidialausschuss kann eine Empfehlung aussprechen – aber die Entscheidung trifft der gesamte Aufsichtsrat. Genau das hat mich am meisten irritiert.“
Rummenigge stört sich demnach vor allem daran, dass bereits vor der Abstimmung der Eindruck entstanden sei, Eberls Verlängerung wäre praktisch beschlossen.

Der Präsidialausschuss besteht laut Rummenigge aus Uli Hoeneß, Herbert Hainer sowie Vertretern der Bayern-Anteilseigner Adidas, Audi und Allianz. Dass sich dieses Gremium im Vorfeld austauscht und eine Empfehlung abgibt, sei für ihn grundsätzlich kein Problem.
„Wenn etwas intern besprochen und anschließend lediglich als Empfehlung präsentiert wird, habe ich damit kein Problem. Wenn eine solche Empfehlung jedoch an die Zeitungen durchgesickert ist und den Eindruck erweckt, dass die Entscheidung faktisch bereits gefallen ist, dann habe ich sehr wohl ein Problem damit. Daraus mache ich kein Geheimnis.“
Rummenigge kritisiert Umgang mit Interna
Auf die Frage, ob er deshalb persönlich von Hoeneß und Hainer enttäuscht sei, wollte Rummenigge die Verantwortung keinem Einzelnen zuschieben.
„Ich weiß nicht, wer diese Entscheidung getroffen hat. Ich weiß nur eines: Die Art und Weise, wie sie an die Öffentlichkeit gelangte, war nicht richtig. Das habe ich den Beteiligten auch gesagt – ich bin jemand, der auf Offenheit und Geradlinigkeit setzt.“
Damit liefert Rummenigge erstmals eine ausführlichere Erklärung dafür, weshalb er Eberls Vertragsverlängerung bis 2029 nicht aktiv unterstützte. Zuvor hatte er bereits verraten, dass er zunächst sogar erwogen hatte, mit „Nein“ zu stimmen, sich während der Aufsichtsratssitzung aber für eine Enthaltung entschied.
Eberls Zukunft beim FC Bayern ist ungeachtet der internen Diskussionen geklärt. Sein Vertrag wurde bis 2029 verlängert. Rummenigges Aussagen zeigen allerdings, dass ihn vor allem die Abläufe vor der entscheidenden Abstimmung und das Durchsickern interner Informationen verärgert haben.

