Immer mehr Spieler setzen im Kampf um Regeneration und Leistung auf CBD und Cannabinoide. Die Regeneration entscheidet im modernen Fußball ganz entscheidend (und oft noch mehr als das Training) über Erfolg und Misserfolg. Länderspielreisen und eine Bundesliga-Saison mit mehr als 50 Pflichtspielen bringen den Körper an seine Grenzen, und in den letzten Jahren rückt dabei eine ganze Substanzgruppe stärker in den Blickpunkt, die noch vor wenigen Jahren ein Tabuthema war: die Cannabinoide, allen voran Cannabidiol.

Warum Cannabinoide im Profifußball ein Thema wurden

2018 kam die große Wende. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA nahm Cannabidiol, kurz CBD, von der Liste der verbotenen Substanzen. Tetrahydrocannabinol, kurz THC, bleibt aber weiterhin im Wettkampf verboten. Diese Trennung machte es den Profisportlern möglich, CBD-Präparate legal in ihre Regenerationsstrategien einzubinden. In der NFL und im Rugby sprachen schon früh Aktive öffentlich über ihre Erfahrungen, im Fußball tat sich das Thema etwas später. Ex-Profi Megan Rapinoe ist in ein CBD-Unternehmen eingestiegen, in England berichteten namhafte Premier-League-Spieler von positiven Effekten auf den Schlaf. Auch in Deutschland ist der Zugang zu geprüften Produkten heute einfacher geworden, seit sich Anbieter wie Canngo auf dem legalen Markt nach der Teillegalisierung platziert haben. Für die Vereine bleibt der medizinische Rahmen jedoch klar umrissen: Alles läuft über die Sportmedizin und interne Compliance.

Studienlage zu Schlaf, Schmerz und Entzündung

Die Studienlage zu Schlaf, Schmerz und Entzündung ist noch jung, aber deutlich gewachsen. Studien am Menschen zeigen Hinweise auf bessere Schlafqualität bei Dosierungen zwischen 25 und 75 Milligramm pro Tag. Zur Regeneration nach exzentrischer Belastung, beispielsweise Sprints und Sprünge im Fußball, liegen erste kontrollierte Studien vor. Sie zeigen reduzierte Muskelkatermarker wie Kreatinkinase, allerdings bei kleinen Fallzahlen. Der wissenschaftliche Konsens ist derzeit, dass CBD kein Leistungsbooster ist, sondern in einen breiter angelegten Recovery-Prozess integriert werden muss, der Schlaf, Ernährung und Belastungsteuerung umfasst.

Regulatorische Lage: WADA, NADA und interne Vereinsvorgaben

Für Bundesligaprofis gelten die Bestimmungen der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA, die die WADA-Liste übernimmt. CBD ist erlaubt, THC-Grenzwerte im Urin liegen im Wettkampf bei 150 Nanogramm pro Milliliter. Praktisch ist das Problem, dass viele kommerzielle CBD-Produkte verunreinigt sind mit THC und so einen positiven Test provozieren können. Sportmediziner empfehlen deshalb ausschließlich Produkte mit dem Siegel der Kölner Liste, die auf Dopingrelevanz geprüft sind. Vereine wie der FC Bayern haben zudem interne Vorgaben, nach denen Spieler jede Nahrungsergänzung mit der medizinischen Abteilung abstimmen müssen.

Praxis im Bundesliga-Alltag und beim FC Bayern

Schlaftracking, Herzratenvariabilität, Blutwerte fließen zusammen mit Kryotherapie, Physiotherapie und individuellen Ernährungsplänen ins Konzept ein. Cannabinoide gehören in Deutschland nicht offen dazu, weil die medizinische Studienlage für einen flächendeckenden Einsatz im Leistungssport noch zu dürftig ist. Beobachter verzeichnen allerdings ein vorsichtiges Aufbrechen. In Skandinavien und Großbritannien nutzen einzelne Klubs bereits CBD-haltige Salben zur lokalen Anwendung nach Prellungen, Physiotherapeuten testen im Rahmen einzelner Reha-Konzepte entsprechende Balsame.

Ob deutsche Vereine nun schnell nachziehen, dürfte davon abhängen, wie belastbar größere klinische Studien in den nächsten Jahren ausfallen und welche Empfehlungen die DFL-Sportmedizin in ihren Leitlinien als allgemeingültig erarbeitet. Für die Fans lohnt der Blick auf die Debatte dennoch, denn Recovery ist längst ein eigener Wettbewerbsfaktor im Spitzenfußball geworden.