Bundesliga

Erkenntnisse nach den ersten vier Geisterspieltagen

Allianz Arena
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Viele mit dem Re-Start der Bundesliga verbundene Befürchtungen haben sich nicht erfüllt. Weder ist bislang abgesehen von der nicht optimalen Situation von Dynamo Dresden in der 2. Bundesliga durch positive Coronatests Chaos entstanden noch ist es vor den Stadien zu Fanansammlungen gekommen. Während die Rahmenbedingungen damit passen und die Hoffnung groß ist, die ab dem 13. März für über zwei Monate unterbrochene Saison auf sportlichem Weg beenden zu können, kann nach den ersten vier Geisterspieltagen auch aus sportlicher Sicht ein erstes Zwischenfazit gezogen werden.

Keine verrückten Ergebnisse und nicht mehr Tore

Vor dem Re-Start gab es zahlreiche Prognosen, den weiteren Saisonverlauf ohne Zuschauer betreffend. Unter anderem wurde mehrfach die Erwartung geäußert, dass sich die Anzahl der Tore erhöhen und es mehrfach zu „verrückten Ergebnissen“ kommen würde. Insbesondere Frankfurts Sportvorstand war ein Vertreter diese These, die auch umfasste, dass die Tabelle dadurch noch einmal deutlich durcheinander gewirbelt werden könnte.

Nach vier Spieltagen ohne Zuschauer allerdings ist der Schnitt der Tore pro Spiel von 3,25 auf 3,19 gesunken. Das allerdings ist noch immer ein hoher Wert, wenn man die Vergangenheit der Bundesliga betrachtet. Denn in den allermeisten Jahren fielen durchschnittlich weniger als drei Treffer pro Begegnung. Verrückte Ergebnisse sind dagegen ausgeblieben. Auch Aufholjagden gibt es seltener, was auch am fehlenden Publikum liegen könnte. Während ein Anschlusstreffer in einem vollen Stadion noch einmal für einen Schub von den Rängen sorgen kann, herrscht nun abgesehen von den inzwischen als Antreibern von außen inszenierten Ersatzspielern Ruhe.

Kein echter Heimvorteil mehr

Sehr auffällig ist, dass wie im Vorfeld schon vermutet, ein echter Heimvorteil augenscheinlich entfällt. Pro Spieltag gab es durchschnittlich nur noch zwei Heimsiege, während immer öfter die Gäste triumphieren. Keine Überraschung für Leipzigs Sportdirektor Markus Krösche, der im „Kicker“ vor allem die Underdogs im Nachteil sieht: „Das macht sich vor allem bei Mannschaften bemerkbar, die über Euphorie, Fans und Stimmung im Stadion zusätzliche Kräfte freisetzen. Somit scheint es so, dass sich häufiger die mit der größeren individuellen Qualität durchsetzen.“

Dazu passt, dass neben Hertha BSC nur der FC Bayern München seine beiden Heimspiele nach der Corona-Pause gewinnen konnte. Mit dem VfL Wolfsburg, dem SC Freiburg, dem FC Schalke 04 und dem 1. FSV Mainz 05 verloren dafür gleich vier Klubs beide Heimpartien seit dem Re-Start.

Die Favoriten im Vorteil

Weil mit den Zuschauern ein äußerer Einflussfaktor wegfällt, wurde vor dem Re-Start eine noch größere Dominanz der individuell stärker besetzten und spielerisch besseren Teams vorausgesagt. Gerade mit Blick auf das vergangene Wochenende muss diese These dick unterstrichen werden. Borussia Dortmund (6:1 beim SC Paderborn) und der FC Bayern München (5:0 gegen Fortuna Düsseldorf) feierten Kantersiege gegen Kellerkinder. Auch Borussia Mönchengladbach (4:1 gegen Union Berlin) und RB Leipzig (4:2 beim 1. FC Köln) gewannen klar und torreich gegen Klubs aus der unteren Tabellenhälfte.

Weniger Theatralik und mehr Verletzungen?

Als positiv wurde nach dem ersten Geisterspieltag festgestellt, dass auf dem Platz weniger diskutiert wurde und kaum noch theatralische Einlagen zu verzeichnen waren. In beiden Bereichen allerdings war es wohl nur ein vorübergehendes Phänomen. Vielmehr hat gerade das Nachholspiel am Mittwochabend zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt deutlich gemacht, dass es auch ohne Zuschauer überaus hitzig zugehen kann – sowohl auf dem Spielfeld als auch in den Coaching Zonen.

Die vielfach vorhandene Befürchtung, dass es aufgrund der langen Pause und einer vergleichsweise kurzen Vorbereitungszeit ohne Testspiele zu mehr Verletzungen kommen würde, hat sich unterdessen nicht bestätigt. Insbesondere ein Anstieg an Muskelverletzungen ist ausgeblieben. In diesem Bereich bleibt definitiv zu hoffen, dass das auch so bleibt.