Erkenntnisse: PSG ist stark, aber die Bayern haben einen Riesenvorteil

Sebastian Mittag
Foto: IMAGO

Der FC Bayern setzt sich auch im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid durch. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zur Partie.


Die Bayern gewannen ein fantastisches Spiel am Ende mit 4:3 und stehen damit im Halbfinale. Die Partie lieferte folgende Erkenntnisse:

1. Neuer sorgt für Reality-Check

Im Hinspiel in Madrid war Manuel Neuer der Held der Bayern gewesen und brachte Kylian Mbappé und Co. mit mehreren Glanzparaden zur Verzweiflung. Danach lauteten die Fragen an ihn: Wann unterschreibt er einen neuen Bayern-Vertrag? Muss er nicht doch noch zur WM? Neuer selbst reagierte darauf schon ziemlich genervt

Im Rückspiel gegen Real sorgte er dann nach nicht einmal einer Minute Spielzeit für den absoluten Schockmoment, als er Reals Arda Güler den Ball unbedrängt in die Füße spielte und der junge Türke nur noch ins leere Tor zum 0:1 einnetzen musste. Für einen ganz kurzen Moment herrschte Stille in der Allianz Arena. 

„Ich wollte eigentlich zu Stani spielen nach außen, aber ich treffe ihn überhaupt nicht gut“, erklärte Neuer nach der Partie bei DAZN: „Das war einfach ein Schweineball von mir.“

Das Freistoßtor von Güler zum zwischenzeitlichen 1:2 schien auch nicht unhaltbar. Neuer parierte dann aber einen schwierigen Ball von Mbappé aus kurzer Distanz mit einer starken Reaktion. 

Nach all der Euphorie um ihn nach dem Hinspiel lieferte Neuer einen echten Reality-Check. Die Realität ist nämlich, dass er mit mittlerweile 40 Jahren schon seit längerer Zeit zwischen Genie und Wahnsinn pendelt. Immer mal wieder gibt es bei Neuer echte Aussetzer. Aber dann eben auch wieder Weltklasse-Leistungen. Beides darf man bei den Diskussionen um seine Zukunft nicht vergessen. Am Ende konnte sich Neuer gegen Real aber auf seine Mitspieler verlassen, wie sie sich eine Woche vorher auf ihren Kapitän.

2. Die Bayern sind im Champions-Modus

Was die Bayern gegen Real zeigten, war mitreißend und beste Fußball-Unterhaltung. Das Spiel der Bayern lebte von Leidenschaft und Emotionalität.

Nach dem Patzer von Neuer hätte die Mannschaft auch einknicken können, so schnell war der hart erarbeitete Vorsprung aus dem Hinspiel wieder egalisiert. Doch die Bayern kamen immer wieder zurück. Dreimal glich das Kompany-Team einen Rückstand wieder aus. Das 3:3 durch Luis Diaz bedeutete das Weiterkommen, doch die FCB-Stars hatten immer noch nicht genug und wollten auch noch den Sieg. Das späte 4:3 durch Michael Olise war die Krönung an diesem Abend. Dieser Auftritt war eine Machtdemonstration. 

Oft wurde zuletzt die Crunchtime der Saison beschworen – jetzt geht es darum, sich für die bis hierher starke Saison zu belohnen. Und die Bayern sind genau in dieser Phase im absoluten Champions-Modus. Um Titel zu holen – besonders in der Königsklasse – braucht es nicht nur fußballerische Qualität, sondern auch den Willen, zusammen Widerstände zu überwinden. 

Joshua Kimmich, der als Anführer im FCB-Mittelfeld einen großen Kampf ablieferte, zeigte sich nach dem Spiel überraschend kritisch über die Leistung der Bayern: „Wenn man die Leistung anguckt, war das nicht eines unserer besseren Spiele. Es gibt viel zu verbessern“, sagte er.

Tatsächlich gab es immer mal wieder Lücken in der Abwehr und auch die Stars in der Offensive hatten lange einige Probleme gegen die Real-Abwehr. 

Aber: Die Bayern siegten am Ende über den puren Willen. Die Münchner haben spätestens im Rückspiel gegen Real gezeigt, wie schwer sie zu schlagen sind. Davon hat ganz Fußball-Europa spätestens nach diesem Wahnsinns-Spiel Kenntnis genommen.

3. Die Bayern haben gegen PSG einen Riesenvorteil

Im Halbfinale wartet Paris Saint-Germain auf die Bayern. Laut Kimmichs Analyse „die formstärkste Mannschaft“ Europas. Tatsächlich zeigte PSG unter anderem in ihrem Viertelfinale gegen den FC Liverpool beeindruckenden Fußball.

Bayern und PSG kreuzten zuletzt oft die Klingen. In der Ligaphase konnten die Bayern in der französischen Hauptstadt gewinnen, bei der Klub-WM verlor der deutsche Rekordmeister gegen die Franzosen.

Fußballerisch ist PSG der schwierigstmögliche Gegner in der Champions League. Die Bayern haben aber einen Riesenvorteil: Auch im Halbfinale findet das Rückspiel zuhause in der Allianz Arena statt.

Gegen Real peitschten die Fans die Mannschaft zum Sieg, die Atmosphäre war elektrisch. Die Spieler und Verantwortlichen zeigten sich nach dem Spiel begeistert über den Support der Fans.

Schon 45 Minuten vor Anpfiff feuerte die Südkurve das Team bereits beim Aufwärmen an. Es lief keine Musik – nur pure Stimmung. Während des Spiels zeigte sich das ganze Stadion wie ein 12. Mann.

Der Heimvorteil ist real und kann auch gegen Paris zu einem entscheidenden Faktor werden. Diese Champions-League-Nächte in München sind magisch. Die Arena wartet schon auf das nächste Highlight in der Königsklasse.

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