Der FC Bayern feiert nach dem 4:2-Sieg gegen den VfB Stuttgart am 30. Bundesliga-Spieltag die Meisterschaft. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zur Partie.
Die Bayern siegten mit 4:2 gegen den VfB Stuttgart. Das Spiel lieferte folgende Erkenntnisse:
1. Die Bayern sind auf Triple-Mission
Den Bayern hätte für den Gewinn der Meisterschaft sogar ein Unentschieden gegen Stuttgart gereicht. Für die Mannschaft und die Verantwortlichen war also ziemlich sicher vorauszusehen, dass ihnen der Titel nach dem Spiel auch mathematisch nicht mehr zu nehmen sein wird.
Als Meister fühlen konnte man sich ohnehin schon seit einigen Wochen, die Liga hat schon länger kapituliert vor den übermächtigen Bayern.
Die kurze Feier nach dem Schlusspfiff des Stuttgart-Spiels fiel dann sehr, sehr gesittet aus. Kurz das Meisterschafts-Shirt angezogen, keine Bierdusche, ab in die Kurve, Ehrenrunde und zurück in die Kabine. Das dauerte alles nicht viel länger als nach jedem anderen Bundesligaspiel.
Der Rekordmeister wollte (noch) keine große Party – und die Fans schienen damit sogar einverstanden. Denn auch die Anhänger verstehen: Die Bayern sind auf Triple-Mission.
Das gaben sie den Spielern auch beim kurzen Abstecher in die Südkurve zu verstehen. Kurz wurden zwei Lieder angestimmt, die den neuen Deutschen Meister priesen. Danach: „Europapokal“ und „Wir fahren nach Berlin“. Die nächsten Stationen sind allen in München klar. Als Nächstes geht es nach Leverkusen, dort soll im Pokal-Halbfinale der Einzug ins Endspiel in der Hauptstadt klargemacht werden. Eine Woche später steht das Hinspiel im Champions-League-Halbfinale gegen Paris Saint-Germain an.
Spätestens nach dem Ausschalten von Real Madrid im Viertelfinale der Königsklasse kann jeder daran glauben, dass bei diesen Bayern alles möglich ist. Alle drei großen Titel sind drin. Mitten in der Crunchtime denkt da niemand ans Feiern. „Wir sind fokussiert und feiern heute nicht mehr“, erklärte FCB-Anführer Joshua Kimmich nach dem Spiel knapp. Bei den Bayern wird jetzt nur noch ans Triple gedacht.
2. Dieser Titel gehört vor allem Kompany
Eine Szene bei der Feier in der Kurve war doch bemerkenswert. Die Fans forderten mehrfach Trainer Vincent Kompany, der sich mit seinem Trainerteam eigentlich im Hintergrund halten wollte. Doch dann platzte es aus dem Coach heraus und er feierte kurz aber wild mit geballten Fäusten vor den Ultras.
Unter den Fans gibt es ein feines Gespür dafür, dass diese 35. Meisterschaft vor allem Kompany gehört. Man sagt ja immer: Die Meisterschaft ist der ehrlichste Titel. Über 34 Spieltage gleichen sich Schiedsrichterentscheidungen, Glück und Pech weitgehend aus, es entscheidet nicht die Tagesform. Hier gewinnt normalerweise die beste Mannschaft.
Und Kompany hat die beste Mannschaft in Deutschland gebaut. Mit großem Abstand. Es ist einfach nicht zu übersehen, wie viel besser der 40-Jährige die Mannschaft seit seinem Amtsantritt kontinuierlich gemacht hat. Die Bayern sind nicht nur wegen der besseren Einzelkönner überlegen. Kompanys Handschrift ist klar zu erkennen in der Variabilität in der Offensive und der Disziplin in der Abwehrarbeit.
Die Bayern sind in Deutschland aktuell nicht zu schlagen, dominanter kann man eine Meisterschaft nicht gewinnen. Diese beeindruckende fußballerische Entwicklung haben die Bayern Kompany zu verdanken.
3. Er kann jetzt zum X-Faktor für die Bayern werden
Jamal Musiala zeigte gegen Stuttgart eine überzeugende Leistung. Nach einem tollen Dribbling bereitete er schön das 1:1 durch Raphael Guerreiro vor. Überhaupt sorgte Musiala immer wieder für Gefahr und wirkte sehr agil und engagiert. Nach einer Saison mit Verletzungsproblemen macht das den Bayern-Fans große Hoffnung.
In der Halbzeit wurde der 23-Jährige ausgewechselt – Trainer Kompany wollte ihn schonen. „Die Auswechslung war geplant. Der Trainer hatte gesagt, dass ich zur Halbzeit ausgewechselt werde und mich ausruhen kann. Meinem Fuß geht es schon viel besser“, erklärte Musiala nach der Partie.
Kompany weiß: In den beiden anstehenden Halbfinals in Champions League und Pokal und in zwei möglichen Endspielen kann Musiala zum X-Faktor für die Bayern werden.

Mit Harry Kane, Michael Olise und Luis Diaz, die eigentlich gerade in jedem Spiel Topleistungen abliefern, läuft es schon mehr als rund in der Bayern-Offensive. Musiala kann das fehlende Puzzlestück in der offensiven Zentrale sein.
Gerade in Abwesenheit von Serge Gnabry, dessen Bayern-Saison verletzungsbedingt vorbei ist. Kompany tritt noch auf die Bremse, aber aus seinen Aussagen lässt sich auch die Hoffnung auf einen großen Saisonendspurt von Musiala lesen. „Ich möchte nicht den ganzen Druck auf Jamal legen, das wäre nicht fair“, sagte der Belgier. Aber: „Wenn er so weitermacht, wissen wir, was wir von ihm erwarten können.“

