Nach deutschem WM-Debakel: Kahn nimmt Nagelsmann in Schutz

Vjekoslav Keskic
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Oliver Kahn hat sich nach dem enttäuschenden WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft klar gegen einen erneuten Trainerwechsel ausgesprochen. Der frühere Bayern-Vorstand sieht die eigentlichen Probleme des DFB an ganz anderer Stelle.

Die Diskussion um die Zukunft von Julian Nagelsmann nimmt nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft weiter Fahrt auf. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge verdichten sich die Zeichen, dass der DFB die Reißleine zieht und Nagelsmann nach dem WM-Debakel seinen Posten räumen muss. Demnach gilt Jürgen Klopp als Top-Favorit für den Bundestrainer-Job.


Oliver Kahn hält diese Debatte jedoch für den falschen Ansatz. Der ehemalige Nationaltorhüter und frühere Vorstandsvorsitzende des FC Bayern äußerte sich auf LinkedIn ausführlich zum Zustand der DFB-Auswahl und machte deutlich, dass aus seiner Sicht nicht der Bundestrainer das Hauptproblem ist.

Kahn betont: „Die Ursache liegt tiefer“

Für Kahn greift die Forderung nach einem Trainerwechsel deutlich zu kurz. „Drei Bundestrainer sind am selben Punkt gescheitert“, schrieb der 57-Jährige und verwies damit auf Joachim Löw, Hansi Flick und Julian Nagelsmann.

Sein Fazit fällt eindeutig aus: „Wenn drei Trainer mit unterschiedlichen Ansätzen immer am selben Punkt scheitern, liegt die Ursache tiefer.“

Statt den Trainer verantwortlich zu machen, sieht Kahn vor allem die Spieler in der Pflicht. „Wer als junger Spieler immer wieder lernt, schwierige Entscheidungen zu treffen, Fehler auszuhalten und trotzdem den nächsten Ball zu fordern, entwickelt genau das, was große Turniere entscheidet. Wer das nie gelernt hat, wird es im Nationaltrikot nicht plötzlich beherrschen“, erklärte der ehemalige Welttorhüter.

Seine Kernaussage fasste Kahn in einem prägnanten Satz zusammen: „Talent bringt dich zur Weltmeisterschaft. Verantwortung entscheidet, wie lange du dort bleibst.“

Kritik an der DFB-Kultur

Oliver Kahn
Foto: IMAGO

Als Beispiel nannte Kahn das Elfmeterschießen gegen Paraguay, in dem Deutschland im Sechzehntelfinale ausschied. „Eine Spitzenmannschaft sucht in diesem Augenblick keine Freiwilligen. Sie hat Spieler, die den Ball verlangen“, schrieb er.

Weiterhin kritisierte Kahn die Entwicklung im deutschen Fußball grundsätzlich. „Wir wollen Weltklasse, möglichst ohne maximalen Druck. Außergewöhnliche Ergebnisse möglichst ohne Verzicht.“

Auch die Organisationsebene nahm der frühere Bayern-Boss in die Verantwortung: „Dort wird Verantwortung nicht dem Zufall überlassen. Dort wird sie eingeübt, vorgelebt und zur Gewohnheit gemacht. Dort ist Leistung wichtiger als Status, der Anspruch größer als die Bequemlichkeit und die Mannschaft wichtiger als das Ego des Einzelnen.“

Zum Abschluss formulierte Kahn einen grundsätzlichen Appell an den DFB: „Wir tauschen Gesichter aus und nennen das Veränderung. Die eigentliche Frage vermeiden wir: Sind wir überhaupt noch bereit, den Preis zu bezahlen, den Spitzenleistung immer verlangt?“

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