Jürgen Klopp gilt nach dem Rücktritt von Julian Nagelsmann als Top-Kandidat auf den Posten des Bundestrainers. Philipp Lahm sieht den früheren Liverpool-Coach zwar grundsätzlich als geeigneten Kandidaten, warnt den DFB jedoch davor, sämtliche Hoffnungen allein auf den 59-Jährigen zu setzen.
Nach dem enttäuschenden WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale gegen Paraguay und dem anschließenden Rücktritt von Julian Nagelsmann laufen beim DFB die Planungen für die Zukunft auf Hochtouren. Jürgen Klopp wird dabei als Wunschlösung gehandelt.
Philipp Lahm mahnt jedoch zur Besonnenheit. In seiner Kolumne für den kicker machte der Weltmeister von 2014 deutlich, dass die Entscheidung über den neuen Bundestrainer nicht überstürzt getroffen werden dürfe.
Lahm fordert Ursachenforschung
„Ob er die Ideallösung ist, wird man sehen. Viel wichtiger wäre mir vorab eine Analyse zu den Fragen: An was scheitern wir seit vielen Turnieren schon? Woran hakt es?“, schrieb Lahm.
Aus seiner Sicht dürfe der DFB die Verantwortung für das erneute Turnier-Aus nicht ausschließlich bei Nagelsmann und dessen Trainerteam suchen. Vielmehr brauche es eine umfassende Analyse der strukturellen Probleme.
„Die Nationalmannschaft ist die wichtigste Mannschaft in unserem Land, da braucht auch die Öffentlichkeit eine Erklärung, wo und wie der Weg hingehen soll. Dann muss der DFB entscheiden, wer der Richtige ist. Diese Analyse kann nicht in drei Tagen stattfinden, es gilt, auf mehr zu schauen als nur auf die vier WM-Spiele 2026“, betonte der frühere Bayern-Kapitän.
Klopp kann neue Euphorie entfachen

Trotz seiner mahnenden Worte hält Lahm große Stücke auf Klopp. Der ehemalige Trainer von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool könne der Nationalmannschaft neues Leben einhauchen.
„Er kann Aufbruchstimmung erzeugen. Das hat er überall geschafft. Seine Teams waren Einheiten, die Menschen haben begeistert zugeschaut. Es muss sich aber nicht nur am Trainerposten etwas ändern, sondern an unserer ganzen Fußball-Idee. Das ist das Allerwichtigste“, erklärte Lahm.
Einer schnellen Verpflichtung stehen allerdings noch Klopps vertragliche Verpflichtungen bei Red Bull im Weg. Der 59-Jährige steht dort als Head of Global Soccer noch bis Ende 2029 unter Vertrag, weshalb der DFB im Falle einer Einigung möglicherweise erstmals eine Ablösesumme für einen Bundestrainer zahlen müsste.
Positiv bewertet Lahm dagegen die Entscheidung von Rudi Völler, dem DFB erhalten zu bleiben. Der Sportdirektor hatte zuletzt bestätigt, seinen Vertrag bis nach der Europameisterschaft 2028 erfüllen zu wollen.
„Grundsätzlich nicht verkehrt. Du musst ja nicht auf jeder Position etwas ändern. Viel Erfahrung hat er. Die Frage ist: Wie ist das Miteinander? Auch ein Trainer braucht einen Gegenpart, mit dem er diskutieren kann, von dem er auch mal eine andere Sichtweise bekommt“, so Lahm.

