Nach dem frühen WM-Aus und dem Rücktritt von Julian Nagelsmann kommen immer mehr Details über die internen Abläufe bei der deutschen Nationalmannschaft ans Licht. Ein neuer Bericht des Spiegel richtet den Fokus dabei insbesondere auf die Rollen von Manuel Neuer und Joshua Kimmich.
Die Aufarbeitung des WM-Debakels läuft beim DFB auf Hochtouren. Während zuletzt vor allem Bundestrainer Julian Nagelsmann wegen seines Führungsstils in die Kritik geraten war, beleuchtet der Spiegel nun auch die Rollen der beiden Bayern-Profis Manuel Neuer und Joshua Kimmich.
Neuer übernahm intern keine Führungsrolle
Besonders überraschend fällt die Einschätzung zu Manuel Neuer aus. Obwohl der 40-Jährige die Nationalmannschaft als Kapitän aufs Feld führte und seit Jahren auch beim FC Bayern als Führungsspieler gilt, soll er während der Weltmeisterschaft innerhalb der Kabine keine prägende Rolle eingenommen haben.
Laut Spiegel fehlte es der Mannschaft insgesamt an einer klaren internen Führung. Stattdessen hätten sich verschiedene Grüppchen gebildet, während zahlreiche Spieler vor allem mit ihren eigenen Interessen beschäftigt gewesen seien.
Ein Insider aus dem Teamumfeld beschreibt die Situation deutlich: „Man merkt, dass aus manchen Talenten Ich-AGs mit tausend Ablenkungen von außen gemacht werden. Da gerät das Spiel an sich aus dem Fokus.“
Ein weiterer Informant wird mit den Worten zitiert: „Es gab zu viele Ego-Shooter.“
Kimmichs Ehrgeiz kam offenbar nicht bei allen gut an

Auch Joshua Kimmich steht im Bericht im Mittelpunkt. Der Bayern-Profi galt während des Turniers als einer der ehrgeizigsten Spieler im DFB-Team und wollte die Mannschaft nach vorne treiben.
Genau dieser kompromisslose Anspruch soll intern allerdings nicht bei allen Mitspielern gut angekommen sein. Nach Informationen des Spiegel fühlten sich einige Nationalspieler vom permanenten Antrieb des 31-Jährigen eher unter Druck gesetzt und teilweise sogar genervt.
Die neuen Enthüllungen zeichnen das Bild einer Mannschaft, der es nicht nur auf dem Platz an Stabilität fehlte. Vielmehr sollen auch innerhalb der Kabine unterschiedliche Vorstellungen, fehlende Führungsstrukturen und individuelle Interessen eine größere Rolle gespielt haben.
Mit dem Rücktritt von Julian Nagelsmann beginnt beim DFB nun ein personeller Neuanfang. Die jüngsten Berichte dürften die Diskussion darüber, welche Schlüsse aus dem WM-Debakel gezogen werden müssen, jedoch weiter anheizen.

