Noch vor wenigen Wochen hatte Uli Hoeneß öffentlich Zweifel an der Arbeit von Max Eberl geäußert. Nun folgte die überraschende Kehrtwende. Der Ehrenpräsident des FC Bayern geht inzwischen fest davon aus, dass der Sportvorstand seinen Vertrag verlängern wird. Hinter dem Meinungsumschwung stecken mehrere Faktoren, die Eberls Standing beim Rekordmeister zuletzt deutlich verbessert haben.
Am Rande des Testspiels gegen den FC Rottach-Egern wurde Hoeneß gefragt, wie er die Chancen auf eine Vertragsverlängerung von Eberl einschätze. Seine Antwort fiel unmissverständlich aus: „Im Moment glaube ich: 100 Prozent!“
Die Aussage überrascht vor allem deshalb, weil Hoeneß Ende Mai im SPIEGEL noch von „Zweifeln“ gesprochen und Eberls Chancen auf einen neuen Vertrag lediglich mit „60 zu 40“ bewertet hatte. Innerhalb weniger Wochen hat sich das Bild beim Ehrenpräsidenten offenbar komplett gewandelt.
Transfers und Verkäufe überzeugen Hoeneß
Einen wesentlichen Anteil daran haben die bisherigen Aktivitäten auf dem Transfermarkt, wie die BILD berichtet. Hoeneß lobte ausdrücklich die frühzeitigen Verpflichtungen von Ismael Saibari und Nathaniel Brown, die gemeinsam von Sportvorstand Max Eberl, Sportdirektor Christoph Freund und Trainer Vincent Kompany vorangetrieben wurden.
Vor allem bei Saibari zeigte sich der 74-Jährige beeindruckt: „Der Spieler aus Marokko hat mir gut gefallen bei der WM. Ich hatte ihn vorher nicht so bewusst gesehen. Unser Trainer, Max und Christoph haben in den höchsten Tönen von ihm geschwärmt. Wir haben im Präsidium bzw. in den Beratungsgremien gerne zugestimmt.“
Auch Nathaniel Brown erhielt ein Sonderlob: „Mit dem jungen Spieler aus Frankfurt haben wir ein Riesentalent. Trotz Angeboten aus England wollte er unbedingt zum FC Bayern und diese Spieler habe ich gerne.“
Hoeneß sprach mit Blick auf die bisherigen Aktivitäten sogar von einer „perfekten Transferperiode“ – ein bemerkenswertes Lob für Eberl und dessen Team.
Auch bei den Verkäufen sieht der Ehrenpräsident Fortschritte. Zwar konnten die Münchner hoch dotierte Verkaufskandidaten wie João Palhinha, Sacha Boey und Bryan Zaragoza bislang noch nicht abgeben. Dennoch verwies Hoeneß auf die bereits erzielten Einnahmen durch mehrere Transfers.
„Es waren zwar kleine Summen, aber am Ende war es doch ein ganz schöner Betrag. Wir hatten heute Morgen eine kleine Sitzung mit Herbert Hainer und ein paar Leuten von unserem Aufsichtsrat, und da hat er berichtet, dass schon über 40 Millionen Euro eingenommen wurden.“
Eberl zeigt klare Kante

Auch außerhalb der Bayern-Themen bezog der 52-Jährige klar Stellung. Die Pläne von FIFA-Präsident Gianni Infantino, Anteile an Weltmeisterschaften an Investoren zu verkaufen, kritisierte Eberl scharf: „Ehrlicherweise finde ich es beschämend! Ich schäme mich, dass wir im Fußball über solche Gedanken reden.“ Weiter führte er aus: „Selbst mich, der im Fußball zu Hause ist, ekelt das an!“
Mit dieser offensiven Kommunikation scheint Eberl intern wie extern zu punkten. Während er zu Beginn seiner Amtszeit häufig zurückhaltend auftrat, übernimmt er inzwischen immer häufiger eine klare Führungsrolle. Die jüngsten Aussagen von Uli Hoeneß zeigen, dass diese Entwicklung auch im Aufsichtsrat registriert wird. Vieles spricht deshalb dafür, dass Eberls Vertrag spätestens im Herbst offiziell verlängert wird.

