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Talente, Routiniers und Neuzugänge: Was kann die zweite Reihe der Bayern leisten?

Javi Martinez
Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

An der Tatsache, dass die erste Elf der Bayern europäische Spitzenklasse ist, bestand spätestens nach der Triple-Saison 2019/20 kein Zweifel mehr. Heiß diskutiert wurde hingegen, ob die Kaderbreite der Münchner ausreiche und es genügend Spieler gibt, die die Stars notfalls auf hohem Niveau vertreten können. So wurde der Rekordmeister kurz vor Transferschluss nochmal aktiv behielt überraschenderweise auch den Defensiv-Spezialisten Javi Martinez. Doch entspricht die zweite Reihe wirklich den Ansprüchen des Rekordmeisters? Wir geben hierzu einen kurzen Überblick. 



Seit Saisonbeginn ist Corentin Tolisso sozusagen der zwölfte Mann bei den Bayern. Dabei zeigte er sich stark verbessert und knüpfte in Ansätzen an seine Form vor seinem Kreuzbandriss an. Besonders in Erinnerung blieb vor allem sein Traumtor in der Champions-League gegen Moskau, jedoch auch seine unnötige rote Karte gegen Bielefeld. Nach der Verletzung von Kimmich, muss der Franzose jetzt abliefern, zumal er am ehesten die Fähigkeiten besitzt, um den Leitwolf zu ersetzen. Da ist es ungünstig, dass ihm jetzt wieder seine Verletzungsanfälligkeit daran hindert, endlich eine größere Rolle zu übernehmen.

Kampf der Generationen – Martinez hat noch die Nase vor Roca

Es sollte sein letztes großes Bayern-Spiel werden: Beim europäischen Supercup wurde Martinez eingewechselt und schien seine Laufbahn bei den Bayern mit dem Siegtreffer endgültig gekrönt zu haben. Doch Martinez blieb und gehört zu den am häufigsten eingesetzten „Back-ups“. So kam Martinez auf sechs Einsätze in der Liga und drei in der Champions-League. Dabei zeigte sich der Defensiv-Allrounder gewohnt solide, offenbarte jedoch auch die bekannten Mängel in der Spieleröffnung- und gestaltung. Als Ersatz für Kimmich ist der 32-Jährige daher keine optimale Besetzung. In diese Rolle sollte eigentlich sein neun Jahre jüngerer Landsmann Marc Roca hineinwachsen. So erklärte Flick noch zu Saisonbeginn, dass es eine der Hauptaufgaben von Martinez sei, den Neuzugang zu unterstützen. Bislang spielte Roca jedoch noch keine Rolle bei den Münchnern, weshalb eine Beurteilung für diesen noch zu früh wäre.

Routiniers Costa Choupo-Moting und Sarr bislang durchwachsen

Als Sofort-Hilfe sollte hingegen Rückkehrer Douglas Costa dienen. Der 30-Jährige brillierte wie gewohnt mit seiner unglaublichen Technik und Ballführung. Jedoch scheint auch das altbekannte Problem, nämlich die Effektivität, nicht gänzlich verschwunden so sein. So blieb der Brasilianer in 282 Minuten Spielzeit torlos, legte aber immerhin zwei Tore auf. Bisher bekommt man von Costa das, was man erwarten konnte. Ob er in den großen Spielen seinen Beitrag liefern kann, bleibt abzuwarten.

Lewandowski-Ersatz Choupo-Moting erhielt mit 200 Minuten Einsatzzeit etwas weniger Spielanteile als der Brasilianer. Im DFB-Pokal gegen Düren war dieser mit zwei Treffer und einer Vorlage mitentscheidend für den lockeren Bayern-Sieg. In seinen weiteren Einsätzen konnte sich der gebürtige Hamburger dagegen kaum in den Fokus spielen. Zwar hat er noch die Nase vor Talent Joshua Zirkzee, einen Robert Lewandowski können jedoch beide nicht ansatzweise das Wasser reichen.

Nachdem die Bayern in der Rechtsverteidigung an einem Transfer von Sergino Dest gescheitert waren, kam Bouna Sarr als neuer Back-Up für Pavard. Der 28-Jährige fügte sich mit zwei Torvorlagen gegen Düren gut ein, blieb danach jedoch etwas hinter den Erwartungen zurück. In der Bundesliga durfte der Franzose dreimal über die volle Distanz spielen. Dabei zeigte er durchaus Offensivdrang, offenbarte aber auch Probleme in Punkto Passspiel und Defensivverhalten. Dies könnte zu Problemen führen, sollte Pavard in einem großen Match mal fehlen.

Die positive Überraschung: Jamal Musiala spielt sich ins Rampenlicht

Die Überraschung der Saison ist bislang der 17-Jährige Jamal Musiala. Das Talent konnte in der Bundesliga bereits zwei Treffer erzielen und durfte zuletzt gegen Bremen von Beginn an Spielen. Musiala glänzt mit seiner Ballführung und seinem Zug zum Tor, weshalb er auch für die englische U21-Auwahl nominiert wurde. Noch ist dieser zwar ein ungeschliffener Rohdiamant, aber zweifellos ein großes Versprechen für die Zukunft. Punktuell sind ihm auch jetzt schon entscheidende Situationen zuzutrauen.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Münchner zwar einige Spieler an Bord haben, die ihre Rolle als „Back-Up“ solide ausführen können. Um in der Champions-League Erfolg zu haben, bedarf es allerdings dringend die erste Garnitur. Die gewisse Extraklasse fehlt der zweiten Reihe dann aktuell doch.