Jonas Urbig spielt sich in eine Debatte hinein, die kurz vor der WM an Schärfe gewinnt. René Adler traut dem Bayern-Keeper schon jetzt mehr zu als nur eine Perspektivrolle, und verbindet das mit deutlicher Kritik an der Torwartdiskussion im DFB-Team.
Im Interview mit der Abendzeitung München spricht sich der frühere Nationaltorhüter klar für eine Nominierung des jungen Bayern-Keepers aus.
„Ich bin von Urbig schwer beeindruckt.“ Adler verweist dabei nicht nur auf Talent, sondern auf die besondere Konstellation in München. „Aber, dass er sich so entwickelt hat, ging auch durch die Unterstützung von Neuer. Neuer legt mittlerweile eine andere Gelassenheit an den Tag, von der auch Urbig profitiert. Auch aufgrund von Verletzungen hat Urbig wichtige Einsatzminuten bekommen.“
Für Adler liegt genau darin der Unterschied. „Diese Kombination, lernen von einem Weltklasse-Keeper wie Neuer plus die Spiele bei Bayern auf höchstem Niveau, hat ihm ein oder gar zwei Schritte in der Entwicklung gebracht.“ Deshalb würde er Urbig schon für das Turnier berücksichtigen. „Ich würde dazu tendieren, ihn als einen von drei Torhütern mitzunehmen.“
Adler adelt Urbig: „Das hat er bei den Bayern geübt“

Seine Rolle wäre dabei klar umrissen: „Er kann eines, was die anderen nicht können: Er kann kalt von der Bank kommen. Das hat er bei den Bayern geübt.“ Adler bezieht sich dabei auch auf die Rollenverteilung von Julian Nagelsmann, in der Urbig als sofort einsatzbereite Reserve eine spezielle Option wäre.
Der Zeitpunkt der Debatte ist brisant, weil Nagelsmann den Kader erst am 21. Mai bekanntgibt. Adler zeigt Verständnis für die spätere Verkündung. Am letzten Spieltag könne noch viel passieren, auch Verletzungen seien ein Faktor. Zudem koste jede Personaldebatte Energie, die der Bundestrainer an anderer Stelle brauche.
Besonders deutlich wird Adler bei den anhaltenden Spekulationen um eine mögliche Rückkehr von Manuel Neuer. „Die Gerüchteküche brodelt, aber ich finde die Diskussion nicht zielführend. Es ist auch gegenüber Oliver Baumann nicht fair.“ Für ihn ist das kein Nebenschauplatz, sondern ein Problem für die Mannschaft. „Dass wir jetzt schon Wochen vor dem Turnier anfangen, seine Position infrage zu stellen, ist kontraproduktiv. Wir fangen damit jetzt schon an, unsere Mannschaft gezielt zu schwächen.“
Emotional äußert sich Adler auch zu Marc André ter Stegen, der sein erstes großes Turnier als Nummer eins wegen einer Verletzung verpassen wird. „Das ist nicht einfach zu verarbeiten, weil es ein Lebenstraum ist. So was tut brutal weh.“
Adler verweist auf die Vorgeschichte in Barcelona und findet besonders scharfe Worte: „Er ging dort jahrelang als Kapitän voran, verzichtete auf Gehalt, damit der Verein wirtschaften kann, und wurde dann so vorgeführt und musste den Klub verlassen.“ Während Baumann diskutiert wird und ter Stegen ausfällt, sieht Adler in Urbig damit schon jetzt eine realistische WM Option.

