Die Diskussion um Jamal Musiala und seine Rolle bei der Weltmeisterschaft nimmt weiter Fahrt auf. Kurz vor der offiziellen Kaderbekanntgabe von Julian Nagelsmann hat nun auch Dietmar Hamann deutliche Zweifel an einer WM-Teilnahme des Bayern-Stars geäußert.
Der ehemalige Nationalspieler sprach sich bei Sky überraschend klar gegen eine Nominierung des 23-Jährigen aus. „Ich glaube, dass er der Mannschaft im Moment nicht helfen kann. Ich weiß nicht, ob man dem Jungen einen Gefallen tut, ihn jetzt mitzunehmen“, erklärte Hamann.
Aus Sicht des TV-Experten fehlt Musiala aktuell noch die entscheidende Explosivität, die ihn normalerweise zu einem Unterschiedsspieler macht.
Besonders kritisch bewertet Hamann dabei die vergangenen Monate nach Musialas Verletzungspause. „Offensivspieler leben von ihrer Dynamik und der Fähigkeit, aus nichts mal etwas zu machen, von der Spielfreude. Das ist im Moment nicht zu sehen“, betonte der 52-Jährige.
Damit widerspricht Hamann auch Vergleichen mit früheren DFB-Stars wie Bastian Schweinsteiger oder Sami Khedira, die trotz körperlicher Probleme bei der WM 2014 wichtige Rollen spielten.
„Das waren zentrale Mittelfeldspieler“, argumentierte Hamann. Bei Musiala sei die Ausgangslage eine komplett andere.
Kritik an den PSG-Auftritten

Vor allem Musialas Leistungen im Champions-League-Halbfinale gegen Paris Saint-Germain sieht Hamann kritisch. „Gegen Paris hat er zweimal nicht gut gespielt“, erklärte der ehemalige Bayern-Profi.
Nagelsmann könne zwar nachvollziehbarerweise lange auf einen Spieler wie Musiala warten. Irgendwann müsse allerdings auch die sportliche Leistung wieder sichtbar werden.
Hamann machte zudem deutlich, dass Musiala selbst wohl niemals freiwillig auf eine WM verzichten würde: „Das wird er aber nicht sagen, weil er zur Weltmeisterschaft will.“
Mit seiner Meinung steht Hamann nicht alleine da. Kommentatoren-Legende Béla Réthy schlug in dieselbe Kerbe und stellte klar, dass Musiala aktuell für ihn kein Stammspieler wäre. „Er ist kein Gamechanger. Er ist noch nicht so weit“, erklärte Réthy.
Gleichzeitig sprach sich der frühere ZDF-Kommentator dennoch für eine Nominierung aus – vor allem wegen Musialas individueller Qualität. „Mitnehmen würde ich ihn aber, für die besonderen Momente“, so Réthy.
Musiala wohl fest eingeplant
Trotz der öffentlichen Zweifel gilt eine Nominierung des Bayern-Stars weiterhin als äußerst wahrscheinlich. Julian Nagelsmann plant intern weiterhin mit Musiala als wichtigem Offensivspieler für die WM in den USA, Kanada und Mexiko.
Der Bundestrainer dürfte allerdings sehr genau darauf achten, den 23-Jährigen körperlich nicht zu überlasten.
Klar ist: Kaum ein deutscher Spieler kann in Topform Spiele derart alleine entscheiden wie Jamal Musiala. Genau deshalb hoffen DFB und FC Bayern gleichermaßen, dass der Offensivstar bis zum Turnier wieder vollständig zu seiner alten Stärke zurückfindet.

