Vor wenigen Monaten stand Max Eberl beim FC Bayern noch massiv unter Druck. Inzwischen hat sich das Blatt komplett gewendet. Klub-Patron Uli Hoeneß sieht die Chancen auf eine Vertragsverlängerung mittlerweile bei „100 Prozent“. Der Sportvorstand hat sich seinen Rückhalt mit einer klaren Linie und überzeugender Transferarbeit zurückerarbeitet.
Noch Ende Mai hatte Hoeneß im SPIEGEL die Verlängerungschancen Eberls auf lediglich „60 zu 40“ beziffert. Nach einem starken Transfersommer und einem klaren Kurs in der Kaderplanung ist davon nichts mehr zu spüren. Beim Testspiel gegen den FC Rottach-Egern stellte Hoeneß unmissverständlich klar: „Im Moment glaube ich: 100 Prozent.“
Frühe Transfers und klare Kaderplanung überzeugen
Einer der Hauptgründe für den Stimmungsumschwung ist die Arbeit auf dem Transfermarkt. Mit Nathaniel Brown und Ismael Saibari verpflichteten die Münchner ihre beiden Wunschspieler frühzeitig – ganz im Sinne von Hoeneß, der seit jeher großen Wert auf Planungssicherheit legt.
Auch auf der Abgangsseite konnte Eberl Fortschritte erzielen. Durch Verkäufe von Talenten und Ergänzungsspielern flossen bereits mehr als 40 Millionen Euro in die Vereinskasse. Gleichzeitig wurden mit den Abgängen von Thomas Müller, Leroy Sané und Leon Goretzka die Gehaltskosten deutlich reduziert – ein zentrales Ziel der Vereinsführung.
Zwar stehen mit João Palhinha, Sacha Boey und Bryan Zaragoza weiterhin drei Verkaufskandidaten auf der Liste, doch intern herrscht kein Verkaufszwang. Hoeneß machte zuletzt deutlich, dass bestehende Verträge respektiert werden. Sollte sich kein passender Abnehmer finden, würden die Spieler beim FC Bayern bleiben.
Eberl zeigt mehr Kante

Neben der sportlichen Arbeit fällt auch Eberls verändertes Auftreten auf. Während er in seiner Anfangszeit in München häufig diplomatisch argumentierte, zeigt der Sportvorstand inzwischen deutlich mehr Profil.
Besonders seine scharfe Kritik an den Investorenplänen der FIFA sorgte zuletzt für Aufmerksamkeit. Eberl bezeichnete die Entwicklung als „beschämend“ und erklärte sogar: „Mich ekelt das an.“ Mit dieser klaren Haltung traf er den Nerv vieler Fans und Beobachter.
Auch bei der Kaderplanung spricht Eberl mittlerweile Klartext. Spieler wie Palhinha, Boey oder Zaragoza wurden offen darüber informiert, dass sie unter Vincent Kompany keine sportliche Perspektive mehr besitzen. Gleichzeitig vermittelt der Sportvorstand nach außen Ruhe und Gelassenheit. In München wird Eberl mittlerweile als „Mini-Hoeneß“ bezeichnet.
Zu seiner eigenen Vertragssituation erklärte er zuletzt, dass seine Aufgabe ausschließlich darin bestehe, einen erfolgreichen Kader zusammenzustellen. Über alles andere würden die Verantwortlichen entscheiden.
Mit der Verpflichtung von Kompany, der Entwicklung einer klaren sportlichen Linie und einer bislang überzeugenden Transferperiode hat sich Eberl intern viel Kredit erarbeitet. Nach Monaten der Diskussionen scheint der 52-Jährige beim FC Bayern endgültig angekommen zu sein – und genießt mittlerweile den Rückhalt der wichtigsten Entscheidungsträger im Verein.

