Der FC Bayern gewinnt sein Erstrundenspiel im DFB-Pokal beim VfL Osnabrück mit 4:1. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zur Partie.
Die Münchner lassen sich auch von einem frühen Rückstand nicht aus der Ruhe bringen und ziehen am Ende souverän in die nächste Pokalrunde ein. Das Spiel lieferte folgende Erkenntnisse:
1. Bischof drängt auf mehr Spielzeit
In den ersten beiden Pflichtspielen der Saison musste sich Tom Bischof noch mit einer Nebenrolle begnügen. Gegen Osnabrück bekam der 21-Jährige erstmals die Chance von Beginn an – und nutzte sie.
Bischof zeigte im zentralen Mittelfeld genau die Qualitäten, die ihn schon während der Vorbereitung ausgezeichnet hatten. Er war viel am Ball, spielte mit Ruhe und Übersicht und suchte immer wieder den Weg nach vorne. Besonders stark war die Entstehung des 2:1: Bischof leitete den Angriff selbst ein, setzte seinen Lauf fort und war schließlich zur Stelle, als Luis Diaz an Osnabrück-Keeper Jonas Krumrey scheiterte.
Auch Joshua Kimmich lobte seinen Nebenmann anschließend: „Er hat eine gute Leistung gezeigt und ein wichtiges Tor erzielt. Er hat einige großartige Pässe gespielt und will immer am Ball sein. Er wird unserem Spiel sicherlich sehr, sehr gut tun und hoffentlich in dieser Saison viele Spiele bestreiten.“
Die Konkurrenz mit Kimmich und Aleksandar Pavlovic im Bayern-Mittelfeld ist groß. Doch auch Vincent Kompany machte nach dem Spiel deutlich, dass er fest mit Bischof plant: „Tom ist ein wichtiger Spieler für die Zukunft des Vereins. Er wird seine Einsatzminuten bekommen und eine große und wichtige Rolle für uns spielen. Wir haben bewusst Platz im Kader für seine Entwicklung geschaffen.“
Der Auftritt in Osnabrück hat gezeigt, warum. Bischof ist mehr als nur eine Rotationsoption – und könnte Kompany die Entscheidung im zentralen Mittelfeld schon bald schwerer machen.
2. Saibari braucht noch Zeit
Nach seinen zwei Vorlagen gegen Stuttgart durfte Ismael Saibari in Osnabrück erstmals von Beginn an auf seiner bevorzugten Position hinter Harry Kane ran. Wer nach seinem starken Bundesliga-Debüt aber den nächsten großen Auftritt erwartet hatte, wurde enttäuscht.
Saibari tat sich gegen die kompakt verteidigenden Osnabrücker deutlich schwerer. Gerade in der ersten Hälfte fand der Marokkaner kaum Räume zwischen den Linien. Nach der Pause wurde es etwas besser, wirklich gefährlich wurde er aber nur bei einem Flachschuss, den Krumrey parierte. Nach 62 Minuten war sein Arbeitstag bereits beendet.
Der Auftritt war damit auch ein kleiner Realitätscheck nach der starken Premiere gegen Stuttgart. Saibari bringt mit Tempo, Physis und technischer Qualität vieles mit, um das Bayern-Spiel auf der Zehn zu bereichern. Dass er dort eine wichtige Rolle spielen kann, steht nach einem schwächeren Auftritt nicht infrage.
Zumal der 25-Jährige noch Zeit benötigt. Saibari kam mit einer Verletzung von der WM nach München und hat entsprechend Trainingsrückstand. Schon nach dem Stuttgart-Spiel stellte sich deshalb die Frage, ob er seine Qualitäten aktuell bereits über 90 Minuten zeigen kann.
Die ersten drei Pflichtspiele haben beide Seiten des Neuzugangs gezeigt: Saibari kann einem Spiel mit seiner Qualität entscheidende Impulse geben – ist aber offenbar noch nicht so weit, konstant auf diesem Niveau zu agieren. Die Bayern werden noch etwas Geduld mit ihm benötigen.
3. Karl kann wieder zur Waffe werden
Lennart Karl ist zurück – und hat bei seinem Comeback direkt angedeutet, wie wertvoll er für den FC Bayern in dieser Saison werden könnte. Nach seiner Verletzung bei der Nationalmannschaft benötigte der Youngster in Osnabrück kaum Anlaufzeit.
Karl kam nach 62 Minuten für Saibari und brachte sofort neuen Schwung in die Offensive. Besonders auffällig war, dass der 18-Jährige nichts von seiner Spritzigkeit eingebüßt zu haben scheint. Er presste aggressiv, suchte mutig seine Aktionen und war schließlich entscheidend am 3:1 beteiligt: Karl eroberte den Ball nach einem Osnabrücker Abspielfehler und bereitete damit den Treffer von Michael Olise vor.
Natürlich braucht auch Karl nach seiner Verletzung noch Zeit. Trotzdem erweitert seine Rückkehr die Möglichkeiten von Kompany erheblich. Solange Jamal Musiala fehlt, ist der Youngster neben Saibari, Nathaniel Brown und dem ebenfalls am Comeback arbeitenden Serge Gnabry ein weiterer Kandidat für die Zehn.

Auch auf dem rechten Flügel kann Karl wertvoll werden. Olise ist dort zwar klar gesetzt. Gerade in engen Spielen könnte Karl für Kompany aber zu einer echten Waffe von der Bank werden: Mit seiner Schnelligkeit und Dribbelstärke kann er gegen müde Gegner noch einmal für enormen Druck sorgen.
Dass Karl diese Möglichkeiten bekommt, ist gewollt. Die Bayern verzichteten im Sommer bewusst darauf, ihren Kader mit weiteren Offensivspielern aufzufüllen. Stattdessen sollen Talente wie Karl ausreichend Raum für ihre Entwicklung bekommen.
Nun liegt es am Youngster, diesen Plan aufgehen zu lassen und den nächsten Schritt zu machen. Sein Comeback in Osnabrück war dafür ein vielversprechender Anfang.
Mit Karl bekommt Kompany eine weitere echte Waffe für seine Offensive – als Alternative auf der Zehn und als schneller Unterschiedsspieler über den rechten Flügel.

