Die Dominanz des FC Bayern sorgt erneut für eine Grundsatzdiskussion über die Attraktivität der Bundesliga. Vor dem direkten Duell zwischen dem Rekordmeister und Schalke 04 haben sich Bayern-Präsident Herbert Hainer und Schalke-Boss Axel Hefer ein bemerkenswertes Wortgefecht geliefert.
Im Doppelinterview mit der BILD wurde deutlich, wie unterschiedlich beide auf die aktuelle Situation im deutschen Oberhaus blicken.
Hefer sieht vor allem in der jahrelangen Dominanz der Münchner ein Problem. „Aus der Perspektive eines Fans, und auch aus der Perspektive des FC Bayern, halte ich das aktuelle Ergebnis für nicht ideal. In seinen 13 Lebensjahren hat mein Sohn nur einmal einen anderen deutschen Meister erlebt, das wird langweilig. Ich glaube, auch der FC Bayern sollte ein starkes Interesse daran haben, das Ligasystem neu zu überdenken. So können sie jedes Jahr weiterhin in der Champions League spielen und gleichzeitig ein bisschen mehr Spannung in die Liga bringen.“
Hainer vermutete dahinter den Wunsch nach einem Playoff-System – und erteilte einer solchen Reform eine klare Absage.
Hainer lehnt Playoffs entschieden ab
„Ich nehme an, Sie meinen die Einführung eines Playoff-Systems. Wir sehen das anders. Wer nach 34 Spieltagen an der Spitze steht, sollte deutscher Meister werden“, stellte der Bayern-Präsident klar.
Als Beispiel verwies Hainer auf den Basketball und die Gefahr, dass eine komplette Saison durch wenige Playoff-Spiele entwertet werden könne. Gleichzeitig widersprach er der grundsätzlichen Darstellung einer langweiligen Bundesliga.
„Wir sollten die Liga nicht schlechtreden. Vor zwei Jahren hat Leverkusen den Titel geholt, und es gibt immer einen engen Kampf um die europäischen Plätze und gegen den Abstieg. Und Herr Hefer, Schalke wird auch in dieser Saison jedes Spiel ausverkauft haben. Insofern kann man nicht sagen, dass die Bundesliga langweilig ist.“
Hefer ließ sich davon nicht überzeugen. Für ihn steht die Spannung des Wettbewerbs stärker im Vordergrund als die Möglichkeit, einen Titel Jahr für Jahr zu verteidigen.
„Wenn ich Sie höre, Herr Hainer, glaube ich, dass wir in diesem Punkt grundlegend unterschiedliche Ansichten haben. Wir haben es uns zur Mission gemacht, Menschen zu begeistern und zu fesseln, das ist unser oberstes Prinzip. Erfolg ist ein Schlüsselfaktor dafür, aber er steht nicht über allem. Wenn ich in Ihrer Position wäre, würde ich es nicht erstrebenswert finden, jedes Jahr Meister zu werden – Spannung entsteht durch das Erreichen von etwas, das von vornherein nie garantiert war“
„Ich will jedes Jahr Meister werden“

Diese Aussage wollte Hainer nicht stehen lassen. Der 72-Jährige verwies auf die weiterhin enorme Nachfrage rund um den FC Bayern.
„Ich kann Ihnen versichern, dass wir unsere Fans mehr als genug begeistern. Wenn Ende einer Saison der Ticketverkauf für die nächste Saison beginnt, ist jedes einzelne Spiel – mit 75.000 Zuschauern – innerhalb von drei Stunden ausverkauft. In den letzten zwei Jahren haben wir einen Mitgliederzuwachs gesehen wie nie zuvor – 1.000 neue Mitglieder jede Woche. Insgesamt sind wir jetzt weit über 450.000 Mitglieder. Also kann ich nicht sagen, dass unsere Fans nicht vom FC Bayern begeistert sind. Überall, wo wir zu Auswärtsspielen hinfahren, sind die Stadien ausverkauft. Kein anderer Verein in der Bundesliga schafft das.“
Zum Abschluss brachte Hainer die unterschiedlichen Philosophien auf einen einfachen Nenner: „Und Sie haben recht, in diesem Punkt gibt es eine Meinungsverschiedenheit zwischen uns: Ich will jedes Jahr Meister werden“
Damit dürfte die Debatte um mögliche Reformen der Bundesliga keineswegs beendet sein. Während Hefer mehr Spannung durch Veränderungen am Wettbewerbssystem befürwortet, hält Hainer am klassischen Modell fest: Nach 34 Spieltagen soll die beste Mannschaft Meister werden – selbst wenn diese am Ende erneut FC Bayern heißt.

