Kurios: Kane liefert sich Torjäger-Duell mit einem Abwehrspieler

Vjekoslav Keskic
Foto: IMAGO

Im Schatten von Harry Kane sorgt ein völlig unerwarteter Name im deutschen Profifußball für Aufsehen. Während der Bayern-Star die Bundesliga nach Belieben dominiert, hat sich in der 2. Liga ein Spieler an die Spitze der Torjägerliste geschossen, den vor der Saison kaum jemand auf dem Zettel hatte: Mateusz Zukowski.


Wer ist Deutschlands bester Torjäger? Diese Frage dürften viele Fans sehr eindeutig mit Harry Kane beantworten. Das Mateusz Zukowski vom Zweitligisten vom 1. FC Magdeburg hinter dem Engländer folgt, haben vermutlich die wenigsten auf dem Schirm.

Der 24-Jährige liefert eine Saison, die man so kaum erklären kann. In 18 Spielen kommt der Pole auf 17 Tore – ein Schnitt von einem Treffer alle 93 Minuten. Damit wird er in den drei deutschen Profiligen nur von Kane übertroffen, der auf einen Wert von 65 Minuten pro Tor kommt. Selbst etablierte Bundesliga-Stürmer wie Deniz Undav können mit dieser Effizienz nicht mithalten.

Vom Verteidiger zum Torjäger

Das eigentlich Bemerkenswerte an Zukowskis Aufstieg ist jedoch seine Vergangenheit. Der Magdeburger wurde im vergangenen Sommer nicht etwa als Stürmer verpflichtet, sondern als Rechtsverteidiger – und das sogar mit einer Verletzung. Für gerade einmal 250.000 Euro schlug der FCM kurz vor Transferschluss zu, obwohl sich der Spieler zuvor einen Mittelfußbruch zugezogen hatte und die ersten acht Saisonspiele verpasste.

Seine Vita deutete zu diesem Zeitpunkt auf vieles hin – nur nicht auf eine Torjägerkarriere. In 132 Profispielen hatte Zukowski zuvor gerade einmal fünf Treffer erzielt. Stationen bei den Glasgow Rangers, Lech Posen und Śląsk Wrocław verliefen ohne nachhaltigen Durchbruch, oft kam er nur als Ergänzungsspieler zum Einsatz.

Ein Training verändert alles

Mateusz Zukowski
Foto: Getty Images

Der Wendepunkt kam erst in Magdeburg – und ausgerechnet in einer unscheinbaren Trainingseinheit. Nach seinem Comeback wurde Zukowski im Abschlusstraining getestet, und plötzlich zeigte sich ein völlig neues Bild. Seine Schüsse waren derart präzise und wuchtig, dass Trainer Petrik Sander kurzerhand entschied, ihn nicht mehr in der Defensive einzusetzen, sondern im Sturmzentrum.

Eine Entscheidung, die sich als Volltreffer herausstellen sollte. Seitdem trägt Zukowski die Offensive eines abstiegsbedrohten Teams nahezu im Alleingang. Über 35 Prozent der Magdeburger Treffer gehen auf sein Konto, dazu kommen noch drei Vorlagen.

Seine Geschichte ist nicht nur eine der größten Überraschungen dieser Saison, sondern auch ein Beispiel dafür, wie unberechenbar Fußball sein kann. Ein Spieler, der jahrelang als defensiver Außenspieler galt, entwickelt sich plötzlich zu einem der effizientesten Torjäger im deutschen Profifußball.

Und während Harry Kane weiter seine Kreise an der Spitze zieht, sorgt Zukowski eine Liga darunter für ein ganz eigenes Märchen – eines, das zeigt, dass manchmal nur ein Moment, ein Training oder eine mutige Entscheidung reicht, um eine Karriere komplett zu verändern.

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