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Erkenntnisse nach Mainz: Bayern muss die Neuer-Frage neu bewerten

Von Sebastian Mittag · · 5 Min Lesezeit

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Der FC Bayern gewinnt 2:1 in Mainz, doch Manuel Neuer bereitet neue Sorgen. Harry Kane und Lennart Karl liefern eine bemerkenswerte Leistung. Drei Erkenntnisse zum Spiel.

Der FC Bayern geht als Tabellenführer in die Länderspielpause. Beim 2:1 in Mainz treffen Joshua Kimmich und Lennart Karl, während Manuel Neuer erneut verletzt ausgewechselt werden muss. Drei Erkenntnisse zum Auswärtssieg.

1. Bayern muss die Neuer-Frage neu bewerten

Es hätte ein besonderer Nachmittag für Manuel Neuer werden können. Mit seinem Einsatz in Mainz wurde der 40-Jährige zum ältesten Bayern-Spieler der Bundesliga-Geschichte. Doch noch vor der Halbzeit musste Neuer verletzt ausgewechselt werden. In der 44. Minute übernahm Jonas Urbig.

Nach der Sehnenreizung und dem Comeback bei Atlético Madrid folgt damit der nächste Rückschlag. „Wir müssen uns das genauer anschauen. Es ist wieder der Fuß. Wir brauchen die Tests am heutigen Abend, um zu wissen, worum es sich bei ihm genau handelt. Noch gibt es keine Klarheit“, erklärte Coach Aaron Danks nach der Partie. Eine genaue Diagnose stand zunächst noch aus.

Unabhängig davon wirft der Auftritt sportliche Fragen auf. Beim Freistoß von Nadiem Amiri verschätzte sich Neuer und griff am Ball vorbei. Jae-sung Lee köpfte zum vermeintlichen Ausgleich ein, den der VAR wegen Abseits zurücknahm. Ob die Beschwerden Neuer bereits in dieser Szene beeinträchtigten, ist offen. Gut sah er dabei jedenfalls nicht aus.

Aus einem Fehler allein lässt sich keine Wachablösung ableiten. Die wiederkehrenden Verletzungsprobleme machen es aber zunehmend schwierig, mit Neuer dauerhaft zu planen. Zudem leistete er sich diese Saison schon mehrere Patzer.

Die Bayern-Verantwortlichen müssen abwägen, wie viel Belastung der Kapitän verträgt und welche Rolle Urbig unabhängig von kurzfristigen Ausfällen bekommen soll.

Der jüngere Keeper sprang in Mainz ohne lange Vorbereitung ein und erledigte seine Aufgaben unaufgeregt. Beim späten Kopfball von Phillip Tietz war er machtlos. Urbig wurde allerdings zu selten gefordert, um aus diesem Einsatz allein größere Schlüsse zu ziehen. Trotzdem wissen die Bayern, dass man jederzeit auf den Youngster vertrauen kann. Je häufiger Neuers Körper Grenzen setzt, desto stärker muss Urbig bei der Planung in den Mittelpunkt rücken.

An der Rangordnung im Bayern-Tor ändern Neuers wiederkehrende Verletzungsprobleme laut Sportvorstand Max Eberl nichts. Auf die Frage, ob die Hierarchie dadurch ins Wanken gerate, antwortete der Sportvorstand knapp: „Nein.“

Eberls klare Ansage beantwortet allerdings noch nicht die sportliche Frage: Ist Urbig inzwischen besser als der Neuer von 2026? Das müssen die Bayern neu bewerten. Die unglückliche Aktion in Mainz allein reicht für dieses Urteil natürlich nicht aus. Neuers Leistungen und seine wiederkehrenden Ausfälle geben aber Anlass, die Rollenverteilung zu prüfen. Im Bayern-Tor sollte genauso wie auf dem Feld entscheidend sein, wer der Mannschaft aktuell am meisten hilft.

2. Kanes Wert lässt sich nicht nur in Toren messen

Seit drei Pflichtspielen wartet Harry Kane auf einen eigenen Treffer. Wer daraus eine Formkrise ableitet, sollte sich seine Auftritte genauer ansehen. Gegen Dortmund und Atlético bereitete er jeweils ein Tor vor, in Mainz legte er beide Bayern-Treffer auf. Der Engländer bleibt entscheidend für das Angriffsspiel.

Vor dem 1:0 bediente Kane Kimmich, der den Ball sehenswert unter die Latte setzte. Beim zweiten Treffer blieb der Mittelstürmer nach dem Zuspiel von Konrad Laimer aufmerksam und brachte den Ball zu Karl. Zweimal fand Kane einen besser positionierten Mitspieler. Zweimal wurde daraus ein Tor.

Auch zwischen diesen Szenen war er wichtig. Kane ließ sich ins Mittelfeld fallen, verteilte die Bälle und half dabei, Angriffe vorzubereiten. Seine präzisen Zuspiele geben Bayern die Möglichkeit, den Gegner auseinanderzuziehen. Gleichzeitig öffnet sein Zurückfallen Räume, in die andere Spieler vorstoßen können.

Gerade in der aktuellen Besetzung ist das wertvoll. Ohne Jamal Musiala, Luis Díaz, Serge Gnabry und Ismael Saibari fehlen mehrere Spieler, die selbst Chancen kreieren oder Angriffe abschließen können. Kane übernimmt zusätzliche Verantwortung und hilft seinen Mitspielern, diese Lücken gemeinsam zu füllen.

Natürlich braucht Bayern auch seine Tore. Und natürlich darf ein Stürmer mit seinen Qualitäten an seiner Abschlussquote gemessen werden. Die Diskussion über seinen bis 2029 verlängerten Vertrag greift aber zu kurz, wenn sie sich allein darum dreht, wie oft er künftig treffen wird. Seine Leistung in Mainz zeigt, wie viele Wege Kane hat, ein Spiel zugunsten der Bayern zu entscheiden.

3. Karl meldet Ansprüche auf der Zehn an

Lennart Karl nutzt die Gelegenheit, die ihm Bayerns Personalnot eröffnet. Nach seinem wichtigen Treffer in Madrid legte der 18-Jährige in Mainz nach. Erst scheiterte er nach der Pause noch, wenig später stand er nach Kanes Zuspiel richtig und erzielte das 2:0. Karl blieb dran und belohnte sich.

Interessant ist dabei auch seine Rolle. Sowohl gegen Atlético als auch in Mainz bekam Karl von Beginn an den zentralen Platz hinter Kane, während Michael Olise rechts startete. Das ist keine selbstverständliche Verteilung. Schließlich fühlt sich auch der Franzose im Zentrum wohl und spielte dort für Frankreich bei der WM.

Lennart Karl
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Danks hätte die beiden also anders anordnen können. Stattdessen erhielt Karl zweimal hintereinander die Chance auf der Zehn. Dort kann er sich zwischen den Linien anbieten, den direkten Weg zum Tor suchen und mit Kane kombinieren. Schon vor der Pause setzte er den Engländer mit einem feinen Steckpass in Szene.

Die Positionen blieben dabei beweglich. Olise zog nach innen, Karl wich aus und Laimer schob auf der rechten Seite nach vorne. Karl musste das Zentrum deshalb nicht alleine bespielen. Gerade diese Verbindungen helfen ihm, seine Stärken einzubringen, statt ausschließlich als Alternative hinter Olise auf Einsatzminuten zu warten.

Die neue Perspektive im Zentrum gewinnt durch seine Leistungen an Gewicht. Mit Musialas Rückkehr wird die Konkurrenz auf der Zehn wieder größer. Karl liefert aber gerade gute Gründe dafür, dass seine Rolle auch dann über gelegentliche Entlastungseinsätze hinausgehen sollte.

 

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