Nach dem frühen WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft rücken immer mehr interne Abläufe in den Fokus. Ein neuer Bericht der Sport BILD wirft dabei auch Fragen zur Rolle von Leon Goretzka auf – gleichzeitig übt Lothar Matthäus deutliche Kritik an Julian Nagelsmann.
Schon die Nominierung von Leon Goretzka für die Weltmeisterschaft hatte im Vorfeld für Diskussionen gesorgt. Obwohl der Mittelfeldspieler beim FC Bayern zuletzt nur noch eine Reservistenrolle innehatte, setzte Bundestrainer Julian Nagelsmann auf die Erfahrung des 31-Jährigen.
Sportlich spielte Goretzka beim Turnier jedoch kaum eine Rolle. Der Mittelfeldspieler kam in vier Partien lediglich auf 96 Einsatzminuten und stand kein einziges Mal in der Startelf.
Wie die Sport BILD berichtet, soll Goretzkas Rolle innerhalb der Mannschaft zunehmend für Irritationen gesorgt haben. Demnach habe sich der ehemalige Bayern-Profi während der Vorbereitung und auch im Verlauf des Turniers stark zurückgezogen und sei intern als „Einzelgänger“ aufgefallen.
Als Grund nennt der Bericht die Enttäuschung darüber, dass Julian Nagelsmann im zentralen Mittelfeld auf Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha setzte. Auch Nadim Amiri und Pascal Groß sollen in der internen Hierarchie vor Goretzka gestanden haben.
Zusätzlich sorgte das Elfmeterschießen gegen Paraguay für Gesprächsstoff. Demnach soll Goretzka darauf verzichtet haben, als Elfmeterschütze anzutreten.
Matthäus nimmt Goretzka in Schutz

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sieht die Hauptverantwortung allerdings nicht beim Spieler, sondern beim Bundestrainer. „Das ist ein Spiegelbild der Führung von Julian Nagelsmann. Sein Zickzack-Kurs mit Goretzka, sein Zickzack-Kurs mit Undav, sein Zickzack-Kurs mit Baumann“, erklärte Matthäus im Gespräch mit der Sport BILD.
Besonders die Kommunikation rund um Goretzkas Rolle kritisiert der TV-Experte deutlich. „Er hat ja gesagt, dass Goretzka spielen muss. Niemand von den Fans, Medien und Experten hat das vor der WM gefordert. Er hat das Fass mit der Nominierung überhaupt erst aufgemacht und dann zum Überlaufen gebracht“, so Matthäus.
Für den Weltmeister von 1990 ist deshalb nachvollziehbar, dass Goretzka enttäuscht reagierte: „Ich verstehe Leon. Er ist ein ehrgeiziger Spieler. Mir tut es leid für ihn. So wie er zur WM gefahren ist, musste er das Gefühl haben, dass er im Mittelfeld gesetzt ist – und dann spielt er im Endeffekt nicht mal die zweite Rolle, sondern nur die dritte.“

