Das Aus im Champions-League-Halbfinale gegen Paris Saint-Germain war für den FC Bayern extrem bitter. Nach zwei hochklassigen Spielen fehlten dem Rekordmeister am Ende nur Nuancen für den Einzug ins Finale der Königsklasse. Gerade deshalb dürfte das Ausscheiden den Verantwortlichen wichtige Erkenntnisse für den kommenden Transfersommer geliefert haben.
Dass der FC Bayern in dieser Saison wieder zur europäischen Spitze gehört, daran gibt es trotz des Ausscheidens gegen PSG keinen Zweifel. Die Mannschaft von Vincent Kompany präsentierte sich über weite Strecken stabil, offensiv spektakulär und insgesamt deutlich gefestigter als noch in den Jahren zuvor.
Gerade die vergangenen Transferperioden verliefen weitgehend erfolgreich. Spieler wie Luis Díaz, Jonathan Tah oder Michael Olise schlugen sofort ein und verliehen dem Kader neue Qualität. Gleichzeitig erhielten junge Spieler zunehmend Chancen, während einige hoch bezahlte Profis ohne konstante Leistungen den Verein bereits verlassen haben oder noch verlassen werden.
Dennoch zeigte das Halbfinal-Rückspiel gegen Paris Saint-Germain auch die Grenzen des aktuellen Kaders auf. Michael Olise wurde von PSG phasenweise komplett aus dem Spiel genommen, Jamal Musiala agierte sichtbar noch nicht bei 100 Prozent und im Mittelfeld hatten die Franzosen leichte Vorteile im Hinblick auf Kontrolle und Dynamik.
Es fehlten keine Welten – sondern kleine Elemente, die auf allerhöchstem Niveau den Unterschied ausmachen.
Genau deshalb dürfte der Fokus im Sommer nicht auf einem radikalen Umbruch liegen. Vielmehr geht es darum, gezielte Anpassungen vorzunehmen und dem Kader neue Impulse zu geben.
Offensive und Außenverteidigung bleiben die größten Baustellen

Für Max Eberl und Christoph Freund gibt es dennoch einiges zu tun, vor allem mit Blick auf den gesamten Kader und nicht nur die erste Elf. Nach aktuellem Stand werden mehrere Kaderplätze frei, weshalb punktuelle Verstärkungen fest eingeplant sind.
Besonders die Offensive dürfte dabei im Fokus stehen. Hinter Harry Kane, Jamal Musiala, Michael Olise und Luis Díaz fehlt es derzeit schlicht an hochwertiger Breite. Im Halbfinale gegen PSG wurde deutlich sichtbar, dass der Bayern-Bank frische Topspieler für die Offensive fehlten.
Mit Serge Gnabry und Talent Lennart Karl allein wird der Rekordmeister langfristig kaum zufrieden sein können. Deshalb gilt Anthony Gordon weiterhin als heißer Kandidat für die linke Außenbahn.
Zusätzlich diskutieren die Verantwortlichen offenbar auch über einen entwicklungsfähigen Stürmer oder einen erfahrenen Backup für Harry Kane. Vor allem der Name Dusan Vlahovic wurde zuletzt intensiv mit dem Rekordmeister in Verbindung gebracht.
Auch auf den Außenverteidiger-Positionen dürfte Bayern aktiv werden. Gerade im Spielaufbau fehlt dem Rekordmeister aktuell ein technisch starker Spieler, der Stabilität und Kreativität miteinander verbindet.
Der gehandelte Givairo Read würde genau in dieses Anforderungsprofil passen. Der Niederländer gilt als technisch sauber, spielstark und entwicklungsfähig – also genau jene Eigenschaften, die der Bayern-Defensive derzeit teilweise fehlen.
Weiterhin könnte auch das zentrale Mittelfeld noch einmal Thema werden. Leon Goretzka verlässt den Verein. Tom Bischof gilt zwar als großes Talent, braucht aber Zeit für seine Entwicklung. Dahinter ausschließlich auf junge Spieler wie Noel Aseko zu setzen, könnte zu riskant sein.
Spannend wird auch zu sehen, was mit den vielen Leihspielern passiert, die unter Kompany keine Perspektive mehr haben. Dazu gehören allen voran: Joao Palhinha, Bryan Zaragoza, Sacha Boey, Daniel Peretz und Alexander Nübel.
Zudem gibt es Spieler wie Hiroki Ito, Alphonso Davies und Minjae Kim, die unter Beobachtung stehen und bei denen die Bayern bei einem lukrativen Angebot im Sommer sicherlich mit sich reden lasse würden.
Bayern erinnert an den Sommer 2012

Die aktuelle Situation erinnert dabei durchaus an den Sommer 2012. Damals scheiterte der FC Bayern ebenfalls denkbar knapp in der Champions League und reagierte anschließend mit punktgenauen Transfers wie Javi Martínez und Mario Mandzukic.
Auch diesmal scheint die Ausgangslage ähnlich: Die Basis stimmt, die Mannschaft ist konkurrenzfähig und besitzt enormes Potenzial. Nun geht es darum, die letzten kleinen Schwächen gezielt zu beheben.
Entscheidend wird deshalb weniger die Anzahl der Transfers sein – sondern vielmehr die Qualität und Passgenauigkeit der Verpflichtungen.

